Der Pfad des Evangeliums

Gwanghuimun-Tor

Die Ursprünge des Erzbistums von Seoul gehen bis ins 17. und 18. Jahrhundert zurück, als sich Katholizismus und religiös definierter Glaube mit dem Studium westlicher Lehren zu verbreiten begann. Yi Seung-hun, der erste koreanische Konvertit, getauft als Peter in Peking, kehrte 1784 nach Hause zurück und begann, das Evangelium zu lehren. Zusammen mit dem Baptisten Yi Byeok taufte er andere Gläubige und schuf eine neue religiöse Gemeinschaft in Seoul.

Im darauffolgenden Jahr leiteteYi Byeok im Hause von Thomas Kim Beom-u nahe der heutigen Kathedrale von Myeongdong religiöse Treffen für andere Gläubige wie Yi Seung-hun, Francis Xavier Kwon Il-sin, John Jeong Yak-yong und Jeong Yak-jeon. Das war die Geburtsstunde des Katholizismus in Korea.

Heute verbindet ein städtischer Spazierweg, der ‚Pfad des Evangeliums‘ („Gospel Trail“), das Haus von Yi Byeok mit der Kathedrale von Myeongdong und dem Haus von Kim Beom-u sowie vielen anderen heiligen Orten des Katholizismus innerhalb der Stadt. Der Weg umfasst folgende Stätten: Die theologische Campuskirche Songsin der Katholischen Universität von Korea, wo die sterblichen Überreste von St. Andrew Kim Dae-geon beigesetzt wurden; die alte Polizeistation Jwapodocheong, die katholische Kirche von Jongno und das Gwanghuimun-Tor - das kleinere der östlichen Tore, durch das die Körper der Märtyrer nach ihrer Hinrichtung aus der Stadt gebracht wurden.

Der Gospel-Trail ist einer von insgesamt drei Pilgerwegen in Seoul. Ein zweiter nennt sich ‚Pfad des Lebens‘ („Life Trail“) und verläuft von der Katholischen Kirche Kahoe bis nach Gyeonggi Gamyeong. Ein dritter wird als ‚Pfad der Übereinkunft‘ („Accord Trail“) bezeichnet, der vom Märtyrerschrein Jeoldusan zum Märtyrerschrein nach Samseongsan verläuft. Alle drei Wege erstrecken sich über insgesamt 27,3 Kilometer.

Die Bauarbeiten zur Errichtung der Kathedrale von Myeongdong, die sich am Ende des Gospel Trails befindet, begannen 1883, als Glaubensanhänger in dem Gebiet Land kauften. Etwa zur selben Zeit gründete Bischof Marie Jean Gustave Blanc in der Nähe ein Priesterseminar, die Theologische Schule Jonghyeon. Am 5. August nahm Gustave Charles Marie Mutelam feierlichen ersten Spatenstich teil und begrub neben dem Eckstein eine Liste mit den Namen von Bischöfen und Missionaren, die sich für die Verbreitung des Katholizismus in Korea eingesetzt hatten. Die Kathedrale von Myeongdong ist mit einem 23 Meter hohen Dach und einem 45 Meter hohen Glockenturm das erste gotische Gebäude in Korea.

Vater Eugene Jean Georges Coste hat die Aufgabe übernommen, die Kirche zu entwerfen und die Bauarbeiten zu überwachen. Sie wurde am 29. Mau 1898 fertiggestellt und das Kirchenweihfest fand am selben Tag statt. Nach Fertigstellung der Kirche wurden die sterblichen Überreste der Märtyrer, die während der großen Verfolgungswellen der Jahre 1839 und 1866 starben, in den Katakomben der Kathedrale beigesetzt. Insgesamt befinden sich die sterblichen Überreste von fünf Heiligen und vier Märtyrern in der Kirche. Unter den Heiligen und Märtyrern warenLaurent Joseph Marius Imbert Laurentiusm, der zweite Bischof des Erzbistums von Joseon, Jacques Honore Chastan Jacobus und Pierre Philibert Maubant Petrus.

In der theologischen Campuskirche Songsin der Katholischen Universität von Korea sind die sterblichen Überreste des ersten katholischen Priesters, St. Andrew Kim Dae-geon, aufbewahrt. Die Schule wurde 1855 eröffnet und ging aus der theologischen Schule St. Joseph am Schrein des Barons in Chungcheongbuk-do (Provinz Nord-Chungcheong) hervor. Das älteste Priesterseminar in Korea hat viele Kirchenmänner hervorgebracht. Papst Paul II hat die Kirche am 3. Mai 1984 besucht und dort eine Messe gefeiert.

Viele Märtyrer, die in Gyeonggi-do verhaftet wurden, wurden nach Seoul gebracht. Vor ihrer Hinrichtung mussten sie harte Folter und Bestrafungen über sich ergehen lassen. Ihre Körper wurden durch das Gwanghuimun-Tor aus der Stadt geschafft. Das Tor, Ort der schmerzvollen Erinnerung an vergangene Tage, wurde 1396, im fünften Jahr der Herrschaft von König Taejo, dem ersten König der Joseon-Dynastie (1392 – 1910) erbaut. Nach diversen Änderungen wurde der Turm des Tores 1719 errichtet und Gwanghuimun genannt. Das Tor wurde 1975 restauriert, als die Mauern der Festung von Seoul neu aufgebaut wurden. Das Torhaus und das Steintor wurden dann wieder so eingesetzt, wie man sie heute vorfindet. Dank der Verbreiterung der Toegye-ro-Straße musste das Tor von seinem ursprünglichen Standort um 15 Meter südwärts versetzt werden.

Ein Polizeibüro, ein Podocheong, wurde ursprünglich während der Joseon-Ära erbaut, um die Festnahme von Dieben zu erleichtern. Das Jwapodocheong – jwa bedeutet „links“ – war zuständig für die östlichen, südlichen und zentralen Gebiete von Seoul und für die angrenzenden Städte Richtung Westen, darunter Ganghwa, Gwangju, Gimpo, Suwon, Anseong, Yongin und Incheon. Es wird angenommen, dass es sich dort befand, wo heute im Bezirk Jongno das Danseongsa-Theater ist.

Am 28. Februar 2013 wurde die katholische Kirche Jongno zum Pilgerort für diejenigen bestimmt, die der Geschehnisse gedenken möchten, welche sich im Polizeibüro Jwaodocheong ereignet hatten. „Über 700 Menschen sind in der Polizeistation gefoltert wurden, aber das ist nicht sehr bekannt, nicht einmal unter Katholiken“, sagte Hong Keun-pyo Paul. „Die Orte des Märtyrertums sind unter den heiligen Orten des Katholizismus von höchster Bedeutung. Diese Pilgerwege wurden angelegt, um die Bedeutung unseres Glaubens ein weiteres Mal zu unterstreichen.“ 

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