Die Sommerblockbuster in Korea: Zombies, Katastrophen, Geschichte und Sport

„Train to Busan“ ist Koreas erster Zombieapokalypsen-Blockbuster

„Train to Busan“ feierte als erstes Premiere und stieg bald zum ersten Film des Jahres auf, der mehr als zehn Millionen Zuschauer anzog. Es ist der erste koreanische Film, in dem Zombies die Hauptbedrohung darstellen. Dementsprechend voll waren die Kinos in der Eröffnungswoche, und die Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Die Geschichte selbst unterscheidet sich kaum von der anderer Zombiefilme. Ein unbekannter Virus breitet sich im Land aus und löst eine Katastrophenwarnung aus, die an alle Bürger gesendet wird. In dem Versuch, den Zombies zu entkommen, besteigt eine Gruppe einen Hochgeschwindigkeitszug nach Busan, die einzige Stadt, die dem Zombieangriff noch standhält – so hofft die Gruppe jedenfalls. 

Kritiker lobten den Film, indem sie sagten, dass er sehr anschaulich die moderne koreanische Gesellschaft sowie den menschlichen Überlebensinstinkt unter Verwendung des Tropus der Zombie-Apokalypse darstellt. Sie glauben, dass die Besucherzahlen die Marke von zehn Millionen bei Weitem überschreiten werden. 

Im vergangenen Mai wurde „Train to Busan“ für die Mitternachtsvorstellung bei den 69. Filmfestspielen in Cannes ausgewählt und erhielt positive Bewertungen. Thierry Fremaux, Direktor der Filmfestspiele, beschrieb den Film als die beste Mitternachtsvorführung in Cannes aller Zeiten. 

Liam Neeson in der Rolle des Generals Douglas MacArthur

Eine Woche nach dem Kinostart von „Train to Busan“ kam der Kriegsfilm „Operation Chromite“, der die Schlacht von Incheon behandelt, in die koreanischen Kinos und lockte 5,76 Millionen Zuschauer an. Vor der Filmpremiere erhielt der Film viel Aufmerksamkeit in den Medien, da der bekannte Schauspieler Liam Neeson die Rolle des General Douglas MacArthur übernahm. Der Film stellt die unbesungenen Helden der Schlacht von Incheon im September 1950 vor, ein Event, dass den Verlauf des Koreakrieges (1950-1953) veränderte. 

„Es ist eine sehr bewegende und traurige Geschichte“, sagte Neeson in einer Pressekonferenz und fügte hinzu: „Der Film rückt tausende mutige Koreaner in den Mittelpunkt, die ihr Leben opferten, um ihrem Land zum Sieg in einer entscheidenen Schlacht des Koreakrieges zu verhelfen.“ Auf die Frage, welches die einprägsamste Szene des Filmes war, nannte Neeson die Rede, die MacArthur vor seinen Kommandanten hält. „Das ist wirklich passiert. Während der Schlacht traf MacArthur einen jungen Soldaten im Alter von 15 oder 16 Jahren, nachdem sich alle vom Schlachtfeld zurückgezogen hatten. MacArthur erklärte dem Jungen, dass er ihm alles geben würde, wonach er verlange und fragte, was sein Wunsch sei. Anstatt den Wunsch zu äußern, nach Hause zu dürfen, verlangte der Junge mehr Munition. MacArthur sah deshalb einen wahren Soldaten in dem Jungen. Der junge Schauspieler hat diese Szene so überzeugend gespielt, dass sie mir besonders in Errinnerung geblieben ist.“

Schauspielerin Son Ye-jin spielt Prinzessin Deokhye, die letzte Prinzessin des koreanischen Kaiserreiches, in dem Film „The Last Princess“.

Auf „Operation Chromite“ folgte am 3. August das historische Drama „The Last Princess“. Der Film erzählt die Lebensgeschichte der Prinzessin Deokhye, Tochter des Kaisers Gojong. Sie wurde 1912 in den letzten Tages des koreanischen Reiches geboren. 

Als Gojongs jüngste Tochter verbrachte die Prinzessin eine glückliche Kindheit in Seoul, bis die japanische Kolonialzeit für politischen Aufruhr im Land sorgte. Der Tod Gojongs im Jahre 1919 veränderte Deokhyes Leben unwiderruflich, und 1925 sah sich die Prinzessin gewungen, nach Japan zu flüchten. Es heißt, dass sich die Prinzessin nichts mehr gewünscht hätte, als in ihr Heimatland zurückzukehren und dass sie während ihres 37-jährigen Aufenthaltes in Japan unter psychischen Störungen gelitten habe. Schlussentlich kehrte sie am 26. Januar 1962 nach Korea zurück. Ab 1967 führte Deokhye ein ruhiges, normales Leben in der Nakseonjae Hall (낙선재) auf dem Gelände des Changdeokgung-Palasts und verstarb 1989. 

Schauspielerin Son Ye-jin, welche die Hauptrolle spielt, sagte: „Ich habe nie beim Ansehen einer meiner eigenen Filme geweint, doch ‚The Last Princess‘ hat mich zum Weinen gebracht. Der Film richtet unsere Aufmerksamkeit auf eine tragische Epoche in der Geschichte Koreas. Wir verloren die Autonomie unseres eigenen Landes, und Deokhyes herzzerbrechende Geschichte spiegelt diese traurige Vergangenheit wider. Ich hoffe, dass die Menschen den Film schauen und sich an unsere letzte Prinzessin errinnern und ihr Empathie entgegenbringen.“ Son investierte 1 Milliarde KRW aus eigenem Vermögen in die Finanzierung des Films. 

In dem Katastrophenfilm „Tunnel“ verkörpert Schauspieler Ha Jung-woo einen Mann, der auf engstem Raum ums Überleben kämpft.

Am 10. August liefen zwei Filme völlig verschiedener Genres in den Kinos an: „Tunnel“ und „Take Off 2“.

Tunnel gibt es nicht nur in Städten, sondern in jedem Teil eines Landes, überall auf der Welt. Der Film „Tunnel“ spielt in genau dieser beschränkten, klaustrophobischen Umgebung und handelt vom Kampf ums Überleben eines einzelnen Mannes, der in einem Tunnel gefangen ist. „Eine Geschichte über die Wichtigkeit des Lebens, eingebettet in eine simple Erzählung“, erklärt der Filmregisseur Kim Seong-hun die Aufmachung des Films. „Es leben 6 Milliarden Menschen auf diesem Planeten, und jeder ist ein kleines Universum für sich selbst. Vor diesem Hintergrund wollte ich die Bedeutung eines einzelnen Lebens in diesem Film erforschen.“ Die Zuschauer reagierten positiv auf diesen Gedanken, über 750.000 Menschen sahen sich den Film am Tag nach der Premiere an.

Ha Jeong-woo, der Hauptdarsteller des Films, sprach über einige der mit dem Dreh verbundenen Schwierigkeiten. „Zwei Monate der Dreharbeiten war ich in einem Auto eingesperrt. Durch die zahlreichen Kameras und die Lichttechnik war der Platz im Auto begrenzt, und ich machte mir anfangs Sorgen darüber, wie ich eine gute schauspielerische Leistung auf so kleinem Raum abliefern sollte. Überraschenderweise habe ich es geschafft, mich diesem Umstand anzupassen.“ 

„Take Off 2“ basiert auf der wahren Geschichte der koreanischen Eishockey-Nationalmannschaft der Frauen.

Als Follow-Up des Films „Take Off“ aus dem Jahr 2009, der von dem koreanischen Skisprung-Männerteam handelte, basiert „Take Off 2“ auf der Geschichte der koreanischen Eishockey-Nationalmannschaft der Frauen. Ähnlich der Geschichte des ersten Films verfolgt auch dieser Film eine „vom Tellerwäscher zum Millionär“-Reise der Frauen. 

Hauptdarstellerin Su Ae sagte, dass ihre Schauspielkolleginnen sich durch kleine und größere Verletzungen nicht vom Dreh abhielten ließen. „Wir kämpften gegen die Kälte und kamen an unsere körperlichen Grenzen. Durch unseren Zusammenhalt und Willensstärke haben wir die Zeit durchgestanden."

 

Fotos: Korean Film Council

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