Erkunden Sie Googles Campus Seoul

Teheran Street, der Boulevard, der durch Samseong-dong im südlichen Seoul verläuft, ist das Mekka für koreanische und globale IT-Unternehmen mit Sitz in Korea. Etwas südlich davon liegt der neue Campus Seoul, ein Habitat für Startups, das von Google am 8. Mai eröffnet wurde. Es ist der erste Google-Campus in Asien und der dritte weltweit, nach London und Tel Aviv.

Campus Seoul (www.campus.co/seoul) ist im zweiten Untergeschoss des Autoway Tower angesiedelt. Er besteht aus Büros für Startups, 17 Konferenzräumen, einem Vielzweckraum mit einer Bühne, einem Vortragsraum für Training und Ausbildung, einem Labor, in dem Entwickler ihre Prototypen testen können, und einem Café mit kostenlosem Internetzugang. Alle Räume sind rund um die Uhr geöffnet. Insbesondere das Café steht allen offen, die sich im Internet für den Campus Seoul angemeldet haben, sowohl Unternehmern als auch aufstrebenden Unternehmern.

Wegen Koreas sehr dynamischer Startup-Community in Kombination mit Google Koreas Infrastruktur beschloss Google, einen Campus in Seoul zu eröffnen, der verschiedene Beratungs- und Bildungsdienste anbieten kann. Es besteht auch ein hohes Potenzial für lokale Startup-Unternehmen, sich durch Googles globales Netzwerk und eine Reihe von Programmen weiterzuentwickeln.

Über 1000 Unternehmer und aufstrebende Unternehmer mit 28 unterschiedlichen Nationalitäten haben sich bereits für den Campus Seoul angemeldet; acht Startup-Unternehmen sind bereits dort eingezogen. Eines von ihnen, Venticake, entwickelt die Smartphone-App Retrica, einen Echtzeit-Kamerafilter. Eine andere Firma, ChattingCat, produzierte eine Online-Plattform, die beim Verfassen englischer Texte hilft.

Diese Unternehmen nutzen die Büros für wenig Geld, da jede Person nur 90.000 koreanische Won pro Monat zahlt. Zum Campus gehören ein Duschraum und eine Küche, um es den Angestellten der Startups zu ermöglichen, lange Stunden zu arbeiten, manchmal auch über Nacht. Der Großteil der acht Unternehmen mit Übernachtungsmöglichkeiten sind IT-Unternehmen, die Datenserver nutzen müssen. Campus Seoul bietet Kredite in Höhe von bis zu 100.000 US-Dollar, um ihnen zur Nutzung von Datenservern zu verhelfen.

„Campus Seoul bietet eine angenehme Arbeitsumgebung sowie eine Küche und eine Dusche. Sie ermöglichen es den Angestellten der Startups, lange Stunden zu arbeiten, manchmal auch über Nacht.

Wichtiger als die tatsächliche Umgebung und die Unterstützung sind das riesige Potenzial für das Teilen von Wissen und für das Netzwerken im Campus Seoul. In dem Büro gibt es wenige Abtrennungen, sodass die Leute offen miteinander kommunizieren können, was das Netzwerken erleichtert. Im Campus Seoul werden auch viele unterschiedliche Veranstaltungen angeboten, bei denen sich Leute unkompliziert treffen und Geschäftskontakte knüpfen können. Unternehmer erhalten Zugang zu nützlichen Informationen darüber, wie sie ein Geschäft gründen können, da auf dem Campus verschiedene Seminare und Bildungsprogramme durchgeführt werden. Ein weiterer Vorteil der Ansiedlung auf dem Campus ist es, dass Google diese Startups darin unterstützt, auf internationale Märkte vorzudringen und globale Netzwerke zu bilden.

Es gibt auch Programme für junge Mütter, wie den „Campus für Mütter“, der sich an Unternehmerinnen richtet und im Juni beginnen wird. Das Programm soll jungen Müttern helfen, die wegen ihrer Kinder nicht an den traditionellen Aktivitäten der Startup-Community teilnehmen können. In der Tat sind 22 Prozent der Mitglieder des Campus Seoul weiblich. Das Programm besteht aus Vorträgen über die Unternehmensgründung, über Produkt- und Geschäftsentwicklung sowie über Marketing und Fundraising. Am Tag der Programmdurchführung werden bunte Gummimatten auf den Boden des Vielzweckraums gelegt, damit Babys und Kleinkinder spielen können, während die Mütter lernen, für ihre neuen Firmen zu werben. Dabei sitzen sie auf den großen, gepolsterten Stühlen.

„Unser Ziel ist es, eine Startup-Community zu gründen”, sagte Jeffrey Lim, der Leiter des Campus Seoul. „Neben der Bereitstellung von Bürofläche wollen wir ein Umfeld schaffen, aus dem verschiedene Fachleute, einschließlich Unternehmer, hervorgehen können.“

Bitte werfen Sie einen Blick auf einige der Unternehmen, die in Googles Campus Seoul entstehen.

Rainist (www.rainist.com)

Rainist startete 2013 einen Online-Finanzdienst mit dem Namen BankSalad. Er befasst sich mit der Analyse von Finanzprodukten, was oft sehr kompliziert ist, und mit der Empfehlung von optimalen Produkten für die Kunden. Das Unternehmen analysierte 2500 koreanische Kredit- und Lastschriftkarten sowie ihre 250.000 Vorzüge anhand einer Computersimulation. Laut dem Unternehmen nutzten im Jahr 2014 rund 500.000 Personen den Dienst. Das Unternehmen hat neun Angestellte, einschließlich Geschäftsführer Kim Tae-hoon, und bereits Gewinne gemacht.

Kim beschloss, sein eigenes Unternehmen zu gründen, nachdem er seinen Abschluss an der Sogang University mit einem Abschluss in Business-Administration machte.

„Die meisten Finanzdienstleister liefern Erklärungen, die oft zu schwierig zu verstehen sind. Ich wollte den Kunden dazu verhelfen, Finanzinformationen zu verstehen. So habe ich diesen Dienst gegründet“, sagte Kim. „Ab jetzt werde ich mich darauf konzentrieren, maßgeschneiderte Dienste anzubieten, die von Banken bereitgestellte Finanzinformationen zur Verfügung stellen.“

Wanted (http://www.wanted.com)

Wanted ist eine auf sozialen Netzwerken basierende Jobbörse, die den Unternehmen hilft, durch Empfehlungen von Profis neue Angestellte zu finden. Das Unternehmen, das im Januar gegründet wurde, bietet Experten in bestimmten Bereichen die Möglichkeit, geeignete Kandidaten zu empfehlen. Diejenigen, die die Empfehlung gemacht haben, können eine Belohnung erhalten, wenn die Kandidaten tatsächlich eingestellt werden. Das Unternehmen hat gegenwärtig 30 Geschäftskunden und konzentriert sich auf die Empfehlung von Programmierern. Sein Dienst ermöglicht es Unternehmen, Kandidaten einzustellen, die von Experten des selben Bereichs empfohlen wurden. Das Unternehmen startete im Mai einen Pilot-App-Dienst. Zehn Bewerber von 30, die von der Firma vorgeschlagen wurden, waren bislang erfolgreich.

Alle vier Gründungsmitglieder von Wanted bringen Erfahrung in der Gründung eines eigenen Unternehmens mit. Geschäftsführer Lee Bokkee hat sechs Jahre Arbeitserfahrung bei Accenture, einem internationalen Consultingunternehmen.

„Unsere Gründungsmitglieder sind über die Empfehlungen von Freunden zusammengekommen, so wie in unserem Geschäftsmodell“, sagte Lee. „Ich hoffe, zukünftig koreanische Programmierer im Ausland nichtkoreanischen Programmierern vorstellen zu können.“

Jeffrey Lim

Korea.net traf sich mit Jeffrey Lim, dem Leiter des Campus Seoul, um zu hören, was er für das Zentrum geplant hat.

Google Campus ist ein Novum in Asien. Warum haben Sie in Seoul den Google Campus gegründet?

Google hat ein „Google for Entrepreneurs“-Team, um Startup-Unternehmen zu unterstützen. Es gibt bereits den Campus London und den Campus Tel Aviv, und der Campus Seoul ist der erste in Asien. Die Entwicklung von Asiens Startup-Markt ist etwas, was wir keineswegs verpassen wollen. Vor allem ist Seouls Startup-Szene sehr dynamisch, wenn man nicht nur die Zahl der Startups, sondern auch die Aktivität der Investoren berücksichtigt. Ein weiteres wichtiges Kriterium bestand in der Frage, ob die Startups gewillt sind, in den globalen Markt einzutreten. Den größten Vorteil, den Startup-Unternehmen aus Google ziehen können, besteht darin, dass wir ihnen helfen können, auf die internationalen Märkte vorzudringen. Weitere Schlüsselkriterien waren folgende Faktoren: ob viele Startup-Unternehmen existieren und Vorteile aus einer solchen Unterstützung durch Google ziehen können, und ob Googles nationale Niederlassung genug Ressourcen hat, um Unterstützung für Startups anzubieten.

Wie sehen die Geschäftsaussichten in Korea aus? Insbesondere die Langzeit-Geschäftsaussichten?

In den vergangenen drei, vier Jahren ist die Zahl der Startups jedes Jahr gestiegen. Auch der Umfang der Investitionen steigt rapide. Allein im letzten Jahr wurden 1,5 Billionen koreanische Won in Startups investiert. Es gab auch viele Erfolge. In den vergangenen fünf Jahren waren Startups wie Ticket Monster, Coupang, SundazToz und Baedal Minjok sehr erfolgreich. Wenn man berücksichtigt, dass es in Korea viele talentierte Menschen und Kapitalbeteiligungsgesellschaften gibt und dass die Regierung weiterhin Startup-Unternehmen unterstützt, wird diese Art des Wachstums weitergehen. Der nächste Schritt würde darin bestehen, koreanische Startup-Unternehmen zu haben, die auf dem heimischen Markt wettbewerbsfähig sind, aber auch mit entsprechenden Firmen auf dem internationalen Markt konkurrieren können.

In welche Bereiche des Campus Seoul würden Sie investieren?

Es ist wichtig, individuellen Startup-Unternehmen zu Wachstum zu verhelfen, aber Googles übergeordnetes Ziel ist es, eine Startup-Community aufzubauen. Neben der Bereitstellung von Schreibtischen und Bürofläche wollen wir ein gesamtes Umfeld für Startups entwickeln. Wir möchten jedem der Beteiligten wie Unternehmern und Anwälten bei der Weiterentwicklung helfen. Sobald eine nachhaltige und gesunde Startup-Community existiert, wird sie sich über einen langen Zeitraum weiterentwickeln. Wir versuchen auch, Verbindungen zwischen asiatischen und globalen Unternehmern und Startup-Communitys herzustellen.

Campus Seoul wurde in enger Partnerschaft mit der koreanischen Regierung etabliert. Ist eine solche Unterstützung notwendig für Sie?

In den vergangenen drei, vier Jahren haben wir eng mit der koreanischen Regierung zusammengearbeitet. Wir haben gemeinsam versucht, vielversprechende lokale Startups zu finden und die Welt über das „Global K-startup“-Programm über sie zu informieren. Wir werden weiterhin darüber diskutieren, wie wir Startups bei der Weiterentwicklung helfen können. Es entstehen mehr Zentren für eine kreative Wirtschaft und für Innovation im ganzen Land, und wir werden Ideen liefern, wie wir sie effektiver leiten können.

Das Konzept eines Campus ist einzigartig. Es gibt wenige Grenzen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Plant Google in Zukunft, Bildung und Wissen mit den Startups zu teilen?

Es ist in gewisser Weise ähnlich. Google selbst begann in einer Garage. Um einen solchen Geist fortzusetzen, wollen wir den Campus in ein Habitat für die Weiterentwicklung und das Wachstum von Unternehmern verwandeln. Das ist unser Ziel, aber die Art der Umsetzung ist etwas anders. Unser Ziel ist es, ein Umfeld für Startups zu schaffen, anstatt alles selbst zu machen. Wir wollen, dass jedes einzelne Mitglied der Startup-Community eigenständig wächst. Wir führen gemeinsam mit unseren Partnern Bildungsprogramme durch. Wir werden in diesem Sommer ein Kodierungs-Bildungsprogramm in Partnerschaft mit Likelion, einer Gruppe von Programmierern, durchführen, da sie über die meiste Erfahrung und das größte Wissen in dem Bereich verfügt. Maru 180, ein Anbieter von Räumen für Startups, verwaltet den Campus Seoul für Google, da er mehr Erfahrung darin hat, wie man Flächen für Startups betreibt.

   

Zwei Leute haben Google vor 17 Jahren gegründet. Die Expansion des Unternehmens scheint grenzenlos zu sein. Was ist das ultimative Ziel von Google? Was will es mit dem Campus Seoul erreichen?

Wir hoffen, dass sich der Campus Seoul in ein asiatisches Drehkreuz für Technologie verwandeln wird. Auch hoffen wir, dass sich der Campus Seoul zum wichtigsten Ort für Leute entwickeln wird, die gern Geschäfte in Korea oder Asien tätigen wollen. Ähnlich wie Leute am Flughafen die Passkontrollstelle passieren müssen, erwarte ich, dass Campus Seoul der Ort sein wird, an dem Leute alle notwendigen Informationen erhalten, untereinander Netzwerke knüpfen und Geschäfte machen.

Die „babyfreundliche Startup-Schule” scheint eine gute Idee zu sein.Was ist der Grund dafür, mehr Mütter und Frauen dazu zu ermutigen, sich an der Startup-Community zu beteiligen?

Ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis ist wichtig für eine gesunde Gemeinschaft. Es gibt viele talentierte Unternehmerinnen, und wir dachten, dass es keine Beschränkungen für sie geben sollte, ein Unternehmen zu gründen. Wir wollten die Hürden abbauen. Es gibt Startup-Programme für Frauen, so wie das monatliche Women Entrepreneur Breakfast Meeting. Das „Campus für Mütter“-Programm wird im Juni beginnen. Es besteht aus Schulungen über die Unternehmensgründung und wird einmal wöchentlich stattfinden. Mütter können ihre Kinder zum Programm mitbringen.

Im Campus Seoul gibt es eine Cafeteria und Duschen. Es scheint, dass Sie den Angestellten signalisieren wollen, dass sie ihre Zeit nicht außerhalb verschwenden, sondern sich um alles kümmern sollten, das erledigt werden muss. Auch wenn es praktisch klingt, scheint es, dass Angestellte zu stark an die Firma gebunden werden sollen.

Dies geschieht vor allem aus praktischen Gründen. Es ist eine Sache, die wir vom Campus London gelernt haben. Startup-Unternehmen wollten Duschen, da ihre Angestellten oft bis spät in die Nacht arbeiten.Google macht viele Experimente und scheitert oft. In den vergangenen drei Jahren haben wir in London viel experimentiert, und basierend auf diesen Ergebnissen haben wir den Campus Seoul aufgebaut. Auf dem Campus Seoul machen wir auch viele Experimente, und wenn sie erfolgreich sind, denken wir über die Umsetzung der Ergebnisse nach. Der „Campus für Mütter“-Programm begann klein in Tel Aviv und wurde offiziell in London gestartet. 300 Leute machten ihren Abschluss in London, und 100 Startups wurden gegründet.

Googles Erfolg wird voraussichtlich anhalten. Über welche Art von Innovationsstrategien verfügt Google, um seine führende Position beizubehalten?

Google unterstützt Startups in aller Welt durch seine „Google für Entrepreneure“-Campusse. Wir glauben, dass die Art von Innovation, die von Startups geschaffen wurde, die Welt verändern kann. Indem wir Startups direkt und indirekt unterstützen, kann sich Google selbst erneuern.

Google und YouTube haben als Plattformen für die Informationssuche und das Teilen von Wissen enorme Veränderungen verursacht. Wir suchen nach einer neuen Form der Expansion in Seoul. Haben Sie irgendeinen Ratschlag für koreanische Unternehmer?

Unser ultimatives Ziel ist der Eintritt in den globalen Markt. Es geht nicht unbedingt darum, in andere Länder vorzudringen, sondern wir wollen, dass die Unternehmer größere Träume haben, sich kontinuierlich weiterentwickeln und in größere Märkte vordringen, anstatt in einem bestimmten Markt zu bleiben und sich ausschließlich auf eine bestimmte Technologie zu verlassen. Ich möchte ihnen sagen, dass nichts daran falsch ist, größere Träume zu haben und sich mutigen Herausforderungen zu stellen.

Fotos: Jeon Han

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