Felice Singers: „Trot ist angenehm und leicht zu vermitteln”

Fotos: Limb Jae-un, Sinnan Entertainment
Fotos: Limb Jae-un, Sinnan Entertainment

Felice Singers, ein sechsköpfiges Gesangsensemble aus professionell ausgebildeten männlichen Opernsängern, veröffentlichte kürzlich ein Album mit Trot-Musik (Trot: älteste Form der Popmusik auf der koreanischen Halbinsel) und löste so eine Sensation in der koreanischen Musikszene aus.

Im Album sind zwei Songs enthalten, „Snowflake Ice Cake” und „Triple Time”, die mit maskulinen und klaren Stimmen gesungen werden; bei beiden handelt es sich um traditionelle Trot-Melodien. Die Songs sorgen bei Zuhörern für Heiterkeit und gute Laune.

Das Ensemble besteht aus Opernsängern in ihren Dreißigern und Vierzigern, die zwei Songs mit einfachen Melodien und beschwingten Rhythmen aufgenommen haben. „Snowflake Ice Cake“ erzählt eine Liebesgeschichte, während „Triple Time“ von den Freuden und Sorgen eines Vaters mittleren Alters handelt. Der Text zu „Triple Time” lautet folgendermaßen:

„Eine leere Brieftasche fühlt sich so schwer an/ Ich dachte, dass es das Ende dieser schwierigen Zeit sein würde, nachdem ich das schon einmal erlebt habe/ Es ist seltsam. Ich lebe wie alle anderen/ Warum muss ich noch einmal diese Schwierigkeiten erleben?” Der herzzerreißende Text hat die männlichen Fans im Sturm erobert.

Die Opernsänger haben alle einen Abschluss von renommierten Musikhochschulen in Korea und absolvierten ein Auslandsstudium in den unterschiedlichsten Ländern wie Italien, Deutschland und den Niederlanden. Sie haben auch langjährige Erfahrungen auf den Opernbühnen dieser Länder. Im Dezember 2013 gründete Park Joon-seok, der Leiter des Sextetts und ein Tenor, gemeinsam mit fünf jungen Sängern das Gesangsensemble: mit Bariton Kwak Sang-hun, Bass Kim Se-whan sowie den Tenören Kang Dae-joon, Pack Kwang-ho und Oh Kyoung-keun. „Felice“ bedeutet im Italienischen „glücklich”. Sie haben das Ensemble Felice Singers genannt, weil sie Glück ausstrahlen wollen und es mit dem Publikum teilen möchten.

„Wir haben mit dem Trot-Singen begonnen, weil wir uns unserem Publikum annähern wollten“, sagte Park Joon-seok, der Leiter des Ensembles. „Am Anfang haben wir Lieder aus Musicals gesungen. Eines Tages versuchten wir es mit koreanischen Popsongs, und das kam sehr gut an.“

„Wenn wir uns einfach auf Klassische Musik konzentrieren würden, hätten wir weniger Auftrittsmöglichkeiten. Wir wollten ein breiteres Publikum ansprechen, und so haben wir begonnen, Trot zu singen. Wir möchten eine Botschaft der Hoffnung vermitteln“, fügte er hinzu.

Foto: Limb Jae-un, Sinnan Entertainment
Foto: Limb Jae-un, Sinnan Entertainment

Korea.net traf sich vor kurzer Zeit mit den Felice Singers und sprach mit ihnen über die Veröffentlichung ihres neuen Trot-Albums.

Wie kam es zur Gründung der Felice Singers?

Park Joon-seok: Als Opernsänger wollten wir gemeinsam großartige Musik machen. Ursprünglich haben wir Musical-Songs und lyrische koreanische Lieder gesungen, aber wir wollten uns unserem Publikum annähern und begannen deshalb mit dem Singen von Trot-Musik. Wir haben koreanische Popsongs mit trot-ähnlichen Melodien vorgetragen. Für Musiker mit einer klassischen Ausbildung ist es nicht einfach, sich auf so eine Sache einzulassen, aber wir waren uns alle einig.

Park Joon-seok: Wir wollten unsere eigenen Lieder machen. Normalerweise sind lyrische koreanische Lieder und Klassische Musik mindestens ein Jahrzehnt alt, aber wir wollten unsere eigene Musik singen und komponieren. Wenn wir lyrische koreanische Lieder komponieren würden, wären sie den meisten Menschen nicht vertraut. Deshalb haben wir uns entschieden, etwas mehr in die Richtung von Populärmusik zu gehen. Wir haben uns für Trot entschieden, weil es einfach ist, damit unsere Gefühle auszudrücken, und wir dachten, dass es zu unserem Alter passt. Wir haben die Entscheidung im März getroffen und das Album im Juli veröffentlicht.

Warum haben Sie als Opernsänger es mit Trot versucht?

Park Joon-seok: Wir wollten uns unserem Publikum annähern. Klassische Musik hat eine sehr kleine Fanbasis, und sie ist nicht sehr populär. Aufgrund unseres Alters dachten wir, dass es besser für uns sei, Trot anstelle von Balladen zu singen. Wir wollten, dass unsere Zuhörer Spaß haben.

Kim Se-whan: Lyrische koreanische Lieder sind ebenso wie Klassische Musik nicht sehr populär. Es gab einmal ein TV-Programm mit lyrischen koreanischen Liedern, aber jetzt gibt es wenige Performances dieser Art. Wenn wir ein Konzert mit lyrischen koreanischen Liedern geben, sind die Fans, die unsere Veranstaltung besuchen, gewöhnlich Klassik-Liebhaber, nicht Fans der Populärmusik. Wenn ein Popsänger ein lyrisches koreanisches Lied vorträgt, würde man es als Populärmusik bezeichnen. Es hängt wirklich davon ab, wer die Songs singt.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie Trot aus einem Gefühl der Verzweiflung heraus ausprobiert hätten. Was meinen Sie damit?

Park Joon-seok: Wir müssen alle Geld verdienen und deshalb immer neues Publikum finden. Es ist besser für uns, wenn wir so viele Performances wie möglich geben. Wir haben darüber nachgedacht, an welchen Liedern das Publikum größeres Interesse zeigen würde. Wenn wir nur Klassische Musik aufführen, gibt es nur einige wenige Chancen für Auftritte. Es werden jeden Tag zahllose neue Opernsänger hervorgebracht, aber es gibt nicht genug Theater und Möglichkeiten, wo wir singen können. Die meisten Theater wollen junge Sänger. Wenn wir älter werden, in unseren Dreißigern, Vierzigern oder Fünfzigern, wird es weniger Gelegenheiten für Konzerte geben. In unserem Alter müssen wir unsere Entscheidung treffen. Es ist schwierig, Geld zu verdienen, außer Sie sind als Opernsänger ständiges Mitglied eines Musikbetriebs.

Pack Kwang-ho: Wenn wir uns nur auf Klassische Musik konzentrieren würden, wäre es schwierig für uns, unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Glücklicherweise ist mir dies gelungen, indem ich Konzerte und Unterricht gebe, aber es gibt viele Opernsänger, die im Ausland studiert haben und nun als zweites berufliches Standbein beispielsweise im Versicherungswesen arbeiten. Mit Klassischer Musik gibt es nicht viele Möglichkeiten für Auftritte in Korea.

Operngesang und Trot sind völlig unterschiedliche Genres. War es schwierig für Sie, Trot zu singen?

Nein, es war nicht sehr schwierig.Wir haben die Songs nicht in einem Trot-Stil gesungen. Die Lieder haben trot-artige Melodien, aber sie sind relativ nah an der Klassischen Musik. Wenn wir die Lieder als Solisten vorgetragen hätten, würden wir sie nicht im Trot-Stil gesungen haben, aber da wir ein Sextett sind, singen wir sie so, als ob wir Opernarien präsentieren würden. Es gibt aufregende Lieder, und wir singen sie wie Rock’n Roll. Leute mögen unsere Songs, weil wir – sechs Ensemblemitglieder – sie zusammen und mit vollem Elan singen. Es heißt, dass die Songs fesselnd und fröhlich seien. Wenn ein professioneller Trot-Sänger solch ein Lied vorträgt, würde es wie Trot klingen, aber wenn jemand anders es singt, klingt es völlig anders.

Es gibt Vorurteile gegen Trot. Dagegen anzugehen, muss nicht leicht gewesen sein. Wie haben Sie diese Vorurteile überwunden?

Kwak Sang-hun: Einige sagten: „Das ist ungewöhnlich” und fragten sogar nach dem „Warum?”. Als wir unser Album veröffentlicht haben und im Fernsehen aufgetreten sind, um unsere Lieder zu präsentieren, mochten die Leute sie sehr. In der letzten Woche habe ich meinen Lehrer getroffen. Er fragte mich, warum um alles in der Welt ein Opernsänger mit dem Singen von Trot begonnen hat. Mein Lehrer muss traurig über diese Tatsache gewesen sein. Es wäre in Ordnung gewesen, wenn ich Balladen gesungen hätte, aber es muss schwer für ihn zu akzeptieren gewesen sein, dass ich mit Trot begonnen habe. Er als Klassik-Musiker muss das als sehr bedauerlich empfunden haben.

Kim Se-whan: Einige Leute denken, dass wir Klassische Musik studiert haben, etwas, das zur „höheren Schicht“ gehört, und fragen, warum wir etwas tun, das zur „niedrigeren Schicht“ gehört. In Deutschland gibt es allerdings im Fernsehen eine Sendung für Volksmusik, die von einem älteren Opernsänger geleitet wird.

Kwak Sang-hun: Ich denke, dass es ein Resultat unserer Ausbildung ist. In gewissem Sinne sind wir die ersten, die das ausprobieren; wir sind also Pioniere. Es gibt sowohl Bedenken als auch Unterstützung, weil wir es zum ersten Mal versuchen. Wir machen uns Sorgen, weil es ein neuer Start ist.

Pack Kwang-ho: Unabhängig von Erfolg oder Versagen hoffe ich, dass wir unser Interesse sowohl an Klassischer Musik als auch an Populärmusik weiterverfolgen können. Wir haben nicht viel darüber nachgedacht, als wir begannen. Wenn wir Erfolg haben, werden andere unserem Beispiel folgen. Ich hoffe, dass dies ein Durchbruch sein wird.

Was ist am Trot attraktiv?

Park Joon-seok: Leute können Trot leicht singen und nachempfinden, und es macht Spaß, ihn zu singen. Er ist uns vertraut, und die Texte sind ernsthaft. Anders als bei Opernarien sind die Texte in koreanischer Sprache. Sie sind leicht zu kommunizieren und sehr direkt. Die Texte von Opern basieren oft auf Metaphern.

Pack Kwang-ho: Vor allem sind sie leicht zu vermitteln. Wenn Leute unsere Lieder mögen, ist dies ein riesiger Erfolg für uns als Künstler. Egal, wie oft wir singen, ist diese Aktivität sinnlos, wenn wir kein Publikum haben. Selbst in der westlichen Geschichte entstand Populärmusik, und zwar in der Renaissance.

In unserer Gesellschaft ist Trot ein populäres Genre, während die Klassische Musik als vornehmer gilt. Was denken Sie?

Kwak Sang-hun: Es liegt an unserem historischen Hintergrund. Klassische Musik war die Populärmusik früherer Zeiten, aber sie wurde vor Hunderten von Jahren produziert. Heute ist sie nicht mehr modern. Wir haben uns für die Populärmusik unserer Zeit entschieden, für Trot.

Auch Trot-Musik kann elegant sein. Insbesondere wenn ein professioneller Sänger sie singt, klingt sie fantastisch. Bei einem Konzert zur Erinnerung an den verstorbenen Komponisten für Populärmusik Gil Ok-yun sangen Lee Mi-ja und Patti Kim Lieder von Gil. Die Sängerinnen waren im fortgeschrittenen Alter, aber ihr Gesang war nahezu perfekt. Ich hätte beinahe Tränen vergossen. Es ist die Kraft der Musik, unabhängig vom Genre. Wir können nicht sagen, dass das eine vornehm ist und das andere nicht.

Möchten Sie sich näher mit Crossover-Musik befassen?

Park Joon-seok: Das ist unser Ziel. Es kann sich um Trot, koreanischen Pop oder koreanisches Easy Listening handeln. Wir konzentrieren uns nicht nur auf Trot. Wir werden weiterhin auftreten und unsere Bandbreite erweitern. Wir wurden tatsächlich gefragt, ob wir Lieder singen könnten, die bei früheren Musikfestivals an Universitäten Preise gewonnen haben. Unsere Zuhörer wollen, dass wir Lieder präsentieren, die in der Vergangenheit beliebt waren. Ich denke, dass wir viele koreanische Popsongs singen werden.

Kwak Sang-hun: Wir singen nicht nur koreanische Popsongs, sondern wir beschäftigen uns auch mit etwas Neuem, mit klassischeren Popsongs. Unser Repertoire wird reichhaltiger werden. Wir werden Musik neu interpretieren.

Warum wollen Sie mit Ihren Fans über den Trot kommunizieren? Welche Art von Botschaft wollen Sie vermitteln?

Park Joon-seok: Ich möchte eine Botschaft der Hoffnung vermitteln. Es ist nicht leicht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, und wir möchten Lieder singen, die den Menschen Freude und Trost spenden. In der Tat versuchen wir als Männer mittleren Alters etwas Neues. Wir können andere Leute damit ermutigen.

Pack Kwang-ho: Wir möchten Ehemänner im ganzen Land ermutigen. Väter unseres Alters erleben schwierige Zeiten und haben selten die Chance zum Lachen, aber wie in unserem Song „Triple Time” versuchen wir, ihnen Mut zu machen.

Wie möchten Sie als Musiker im Gedächtnis bleiben?

Oh Kyoung-keun: Ich möchte hören, wie Leute sagen, dass sie glücklich sind, wenn sie unsere Lieder hören. Wenn wir heute Menschen glücklich machen können, wäre dies die größte Ehre für uns.

Pack Kwang-ho: Als ich sehr jung war, sah ich im Fernsehen einen grauhaarigen Mann, der die Hand seines Enkels hielt und Blumen auf dem Grab von Elvis Presley niederlegte. Ich bin mir sicher, dass der alte Mann ein großer Elvis-Fan war. Ich möchte als Musiker im Gedächtnis bleiben und Leuten schöne Erinnerungen geben. Ich möchte ein Musiker sein, der dafür sorgt, dass sich die Leute beim Anhören unserer Lieder auf schöne Dinge zurückbesinnen.

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