Französischer Illustrator zeichnet Korea

Illustrator Samir Dahmani mit seiner Ausstellung in der Seoul Metropolitan Library (Foto: Jeon Han)
Illustrator Samir Dahmani mit seiner Ausstellung in der Seoul Metropolitan Library (Foto: Jeon Han)

In der Innenstadt von Seoul laufen die Menschen in einem schnellen Tempo. Sie nehmen die U-Bahn, um in der Stadt umherzufahren. Sie laufen gemächlich auf den Wegen in den Bergen. Sie genießen die Szenerie der Königspaläste.

Ein französischer Illustrator hält solche Alltagsroutine auf seiner Leinwand fest, indem er Menschen in Korea und koreanische Dinge zeichnet. Die Rede ist von Samir Dahmani, der kürzlich seine Illustrationen in „Samir Draws a Strange Seoul” (,Samir malt ein fremdes Seoul‘) zeigte.

Dahmani entwickelte während seines Masterstudiums im Bereich Animation an der ÉESI D’Angoulème in Angoulème, Frankreich, Interesse an der koreanischen Kultur. Insbesondere das Aroma bestimmter koreanischer Speisen, die er erstmalig durch seine koreanischen Freunde in Angoulème kennenlernte, erregte seine Aufmerksamkeit und blieb in seinem Gedächtnis haften, um eine entscheidende Rolle darin zu spielen, sein Interesse an New York auf Seoul umzulenken.

Foto: Jeon Han
Foto: Jeon Han

In seinem Buch schreibt er: „Verschiedene Erinnerungen, die in Vergessenheit geraten waren, kamen durch einen Duft wieder an die Oberfläche.” Die Quelle dieses Duftes waren Tteokbokki. Bei seiner Ankunft am Internationalen Flughafen Incheon fühlte sich Dahmani zunächst wie ein Fremder. Heute spürt er allerdings eine Nähe zu diesem einst fremden Land.

Seine früheren Erfahrungen mit dem koreanischen Essen entwickelten sich zu einem Interesse für alle Aspekte der koreanischen Kultur. Dahmani schrieb: „Nach und nach fühlten sich alle Dinge in einem Land auf der anderen Seite des Erdballs vertrauter an. Es war ein Rendezvous mit der koreanischen Kultur.“

Er sagte, dass es ihm gelungen sei, Interesse und Leidenschaft für Seoul zu entwickeln, für „eine Stadt, die lebendig ist”. Der französische Trickzeichner war vom heutigen Korea fasziniert, in dem Traditionen und die Veränderungen der modernen Zeit nebeneinander existieren.

Bezüglich der Menschen in Korea sagte er: „Koreaner wirken sehr zurückhaltend und können Kälte ausstrahlen, aber wenn sie einmal lächeln, lernen Sie sie als Menschen voller Schüchternheit und Leidenschaft kennen.”

In dem Buch zeichnet Dahmani Korea, um mehr über den Lebensstil, den Alltag und die Traditionen der Menschen zu erfahren, die hier leben. Er plant, im Dezember dieses Jahres Koreanisch in Daejeon zu lernen, um sich noch mehr Kenntnisse über das Land anzueignen.

Foto: Jeon Han
Foto: Jeon Han

Ein Interview mit Samir Dahmani

In Ihrem Buch sagen Sie, dass der Geruch eines bestimmten Essens Sie dazu gebracht habe, nach Korea zu kommen, und das Essen, von dem Sie sprechen, heißt Tteokbokki. Gibt es Gründe dafür, dass Sie so begeistert von Tteokbokki sind?

Ich habe Tteokbokki zum ersten Mal probiert, als ich während meines Studiums in Angoulème koreanische Studenten kennengelernt habe.Es schmeckte sehr gut. Koreanische Freunde stellten das Gericht als ein Essen vor, das sie oft kochen. Ich mochte es wirklich.

In der Tat hatte ich ein großes Interesse am Kontakt zu Auslandsstudenten - so schloss ich auch Freundschaft mit koreanischen Studenten. Ich mochte den Geruch, wenn sie koreanisches Essen kochten. Er gefiel mir wirklich gut. Ich dachte sogar darüber nach, mein Buch „The Smell of Tteokbokki“ (,Der Duft des Tteokbokki‘) zu nennen. Ich koche oft selbst Tteokbokki. Bevor ich meine koreanischen Freunde kennenlernte, wusste ich nicht viel über Korea, außer, dass es Gastland der Fußball-WM Korea/ Japan im Jahr 2002 war.

Was interessiert Sie an der koreanischen Kultur? Warum haben Sie ein so enges Verhältnis dazu entwickelt?

Zunächst habe ich mich für große Städte wie New York interessiert.Nachdem ich meine koreanischen Freunde kennenlernte, entstand bei mir allerdings ein Interesse für Korea. Während meiner Zeit in Angoulème wählte ich das Thema „Stadt” als Bereich meiner M.A.-Arbeit, da nicht viele Künstler in ihren Werken die Stadt Seoul behandelten. Ich fand Gefallen an der Entwicklung Seouls, die es durch eine Koexistenz der Modernität der heutigen Zeit und der Tradition vergangener Zeiten erreichte.

Gibt es einen bestimmten Ort, den Sie mehrere Male besucht haben, um ihn zu zeichnen? Welchen Ort besuchen Sie am liebsten in Korea?

Ich habe keinen bestimmten Ort, den ich besonders gern besuche. Ich mag allerdings die Dynamik von U-Bahnen. In der U-Bahn kann ich Menschen sehen, die kommunizieren und in einer Koexistenz leben.Wenn ich die Treppen zur U-Bahn heruntergehe, entfaltet sich eine völlig andere Welt, in der die Menschen an den Geschäften vorbeihasten. Der Kontrast zwischen Menschen, die sich auf dem Weg zur U-Bahn, innerhalb und außerhalb der U-Bahn befinden, hat mich fasziniert. In der U-Bahn kann ich die Gesichter von Menschen sehen und sie problemlos zeichnen, anders als in Bussen, in denen ich nur ihren Hinterkopf sehe.

Für meine Arbeit besuche ich keine bestimmten Orte. Ich mag es, zu gehen und einfach meinen Füßen zu folgen. Es gefällt mir, ohne bestimmtes Ziel aus der U-Bahn auszusteigen und neue Orte zu entdecken. Wenn ich an einen Ort komme, den ich überhaupt nicht kenne, werden meine fünf Sinne stärker angeregt, was gute Rahmenbedingungen für das Zeichnen eines Bildes liefert. Fürs Malen finde ich auf diese Weise einen Ort, und ich sitze eine Stunde, um nachzudenken. Wenn mir eine Idee fürs Zeichnen kommt, beginne ich mit der Arbeit. Ich mag es, neue Orte ohne vorherige Planung, aber mit einer Karte zu finden und Bilder zu zeichnen.

In Ihrem Buch haben Sie sich selbst als Mann mit einem roten Gesicht, mit einer roten Maske namens Malttugi, gezeichnet. Sie haben eine große Nase und tragen ein rotes traditionelles koreanisches Gewand. Warum haben Sie sich auf diese Weise porträtiert?

Diese Figur stammt nicht von mir.Ich habe eine Nase wegen meines „Nasenprojekts“ gezeichnet, das ich zu einem früheren Zeitpunkt durchgeführt habe. Es basiert auf einer Geschichte des russischen Romanautors Nikolai Gogol. Sie handelt von einem Mann, der seine Nase verliert und überall nach ihr sucht. Ich habe die Idee aus dem Roman übernommen und sie in meiner Arbeit auf eine koreanische Umgebung übertragen. Die Nase habe ich rot angemalt, um sie zu betonen, und ich habe sie in einen Dopo gesteckt, ein traditionelles koreanisches Gewand, das in erster Linie von konfuzianistischen Gelehrten getragen wurde. Auch habe ich mich für die symbolische Bedeutung von Nasen in der traditionellen Kultur interessiert. Ich denke, dass die Nase in der koreanischen Kultur die Identität symbolisiert. Außerdem habe ich von einer Redensart gehört: „Seoul ist der Ort, an dem du deine Nase innerhalb des Bruchteils einer Sekunde verlieren kannst“. Ich kenne auch den Wunsch vieler Koreaner, eine Nase mit einem hohen Rücken wie westliche Menschen zu haben, und ich weiß, dass „Kojaengi“ ein Begriff ist, mit dem sich Koreaner über Menschen aus dem Westen lustig machen.

Die Person mit der Malttugi-Maske ist der Geschichtenerzähler. Das habe ich durch meine Beschäftigung mit traditionellen koreanischen Masken erfahren. Malttugi ist derjenige, der die Geschichte in koreanischen Maskentänzen anführt. In meinem Buch spielen Malttugi-Charaktere die selbe Rolle.

Welche Botschaft möchten Sie in Ihrem Buch vermitteln?

Ich möchte Koreaner an den Wert kleiner, trivialer Dinge erinnern, auf die sie sich verlassen können und die sie während ihrer Alltagsroutine leicht vergessen. Natürlich gelingt es mir nur, mich an solche Dinge zu erinnern, da ich in Korea ein Ausländer bin. Vielleicht würden Koreaner mir das Selbe erzählen, wenn ich in Frankreich wäre. Ich dachte, dass es in Korea viele unentdeckte Schätze gibt, aber dass sich die Koreaner ihrer nicht bewusst sind. Deshalb wollte ich sie in meinem Buch daran erinnern.

 

Eine Zeichnung von Dahmani: Er sagt, dass es ihm Spaß mache, das weibliche koreanische Gesicht zu zeichnen (Foto: Jeon Han).
Eine Zeichnung von Dahmani: Er sagt, dass es ihm Spaß mache, das weibliche koreanische Gesicht zu zeichnen (Foto: Jeon Han).

Haben Sie irgendwelche unvergesslichen Erinnerungen an Korea? Wenn ja, erzählen Sie uns bitte davon!

Hier würde ich mein neuestes Projekt nennen, das von einer koreanischen Frau namens Gyeongsuk handelt, die der Held meines „Nasen-Projekts“ während seiner Suche nach Nasen in Korea trifft. Geongsuk ist eine Übersetzerin, die in Frankreich studierte und nun in Korea lebt. Mein nächstes Projekt wird auf ihrer Geschichte basieren. Dafür habe ich mich mit koreanischen Studenten getroffen, besonders mit Studentinnen, die im Ausland studiert haben. Ich finde es sehr interessant, mit ihnen Interviews zu führen, weil sie Schwierigkeiten haben, sich nach dem Studium in Frankreich wieder an das Leben in Korea zu gewöhnen. Zur Informationssammlung für dieses Projekt habe ich Leute interviewt, und ich werde ein weiteres Buch schreiben in der Hoffnung, mehr über Seoul und die koreanische Kultur zu erfahren.

Woraus ziehen Sie die Inspirationen für Ihre Arbeit?

Ich stütze mich nicht wirklich auf Inspirationen. Ich liebe es, an spezifischen Themen zu arbeiten.Ich habe allerdings viele Bezüge, die ich mag, wie Künstler, Schriftsteller, Regisseure oder Fotografen, die einen unterschiedlichen Hintergrund haben. Alle diese Bezüge haben meine Sensibilität gesteigert.

Was für eine Art von Künstler sind Sie Ihrer Ansicht nach?

Ich denke, dass ich ein Forscher bin, weil es für mich am wichtigsten ist, eine große Neugier für alle Dinge zu haben. Es ist die beste Methode, um meine Arbeit zu verbessern.

Während meines Studiums in Angoulème habe ich viel über die Konnektivität von Animation, Video und anderen Medien gelernt. Diese Studien haben sich als entscheidend für die Produktion der Inhalte meiner Arbeit erwiesen.

Erzählen Sie uns über Ihre zukünftigen Pläne oder Ihr nächstes Buch!

Ich habe mit meiner koreanischen Freundin am Gyeongsuk-Projekt gearbeitet. Sie interviewt französische Leute, und ich interviewe koreanische StudentInnen, um beide Perspektiven zu zeigen. Ein weiterer Plan ist es, bei einem Projekt mit Jesus Castro, einem französischen Regisseur für Dokumentarfilme, zusammenzuarbeiten. Castro wird mich filmen, während ich arbeite und einen Dokumentarfilm mache.

Gibt es irgendwelche Herausforderungen, denen Sie sich in Zukunft gern stellen würden?

Ich plane nicht bewusst, mich irgendwelchen Herausforderungen zu stellen. Auch bin ich mir nicht sicher, ob ich weiter zeichnen sollte, weil ich auch sehr gern andere unterrichte. Ich zeichne gern, aber ich rede auch gern mit anderen. Also würde es mir Spaß machen, anderen das Zeichnen beizubringen.

Was bedeuten für Sie die Begriffe „Korea” und „Animation”?

Malen ist wie eine Reise für mich. Denn wenn ich reise, vergesse ich die Zeit und konzentriere mich auf den Moment. So geht es darum, ein bestimmtes Wort oder bestimmte Gedanken zu hinterfragen und mich dann auf Papier auszudrücken.Ich hoffe, dass Menschen sich selbst hinterfragen können, nachdem sie meine Bilder über die kleinen Geschichten über uns alle gesehen haben. Ich denke, dass solche Fragen der Gesellschaft helfen können, sich weiterzuentwickeln. Die koreanische Gesellschaft steht vor einem wichtigen Wendepunkt, an dem Traditionen der Vergangenheit und neue Herausforderungen des heutigen Lebens nebeneinander existieren. Ich glaube, dass jetzt die richtige Zeit ist, um Fragen zu stellen, wenn Traditionen und die neue Generation miteinander kollidieren.

 

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