Große Pianisten spielen jedes Stück mit Sorgfalt: Seong-jin Cho

Seong-jin Cho (Fotos: Jeon Han)

Pianist Seong-jin Cho, der in diesem Jahr 22 Jahre alt wird, ist am 1. Februar in sein Heimatland zurückgekehrt. Es ist das erste Mal, nachdem er im Oktober letzten Jahres den 17. Internationalen Chopin-Wettbewerb gewonnen hat. Er ist der erste Koreaner, der diesen renommierten Wettbewerb gewinnt.

Cho sagte in einer Pressekonferenz: „Ich bin innerhalb eines Jahres das erste Mal nach Hause zurückgekehrt. Ich bin so aufgeregt darüber, zurückzukommen, und ich bin so dankbar über die Unterstützung, die ich von meiner Familie und Fans erhalten habe.“

Cho ist am 2. Februar zwei Mal im Seoul Arts Center im Süden Seouls aufgetreten. Für die Konzerte hat der Musiker zusammen mit anderen Preisträgern des 17. Internationalen Chopin-Wettbewerbs auf der Bühne gestanden.

Seit seinem Sieg bei dem Wettbewerb hat sich Chos Leben dramatisch gewandelt. Er hat einen Vertrag mit Solea Management aus Paris unterzeichnet und vor kurzer Zeit einen Fünf-Jahres-Vertrag mit der Deutsche Grammophon.

Im Rahmen des Plattenvertrags mit der Deutsche Grammophon wird er insgesamt fünf Alben herausbringen. Im ersten Album wird er das Klavierkonzert Nr. 1 von Chopin aufnehmen, zusammen mit der Staatskapelle Dresden. Er wird später in Berlin vier Chopin-Balladen aufnehmen.

Ute Fesquet (links), Seong-jin Cho (Mitte) und Artur Szklener, Direktor des Nationalen Fryderyk-Chopin-Institits (rechts)

Die Vizepräsidentin der Deutsche Grammophon Ute Fesquet, die ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesend war, lobte den jungen Pianisten als „Musiker, der sich Musik mit großer Würde und Hingabe nähert, und der aus sich herausgeht, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.”

„Wenn Sie ihm zuhören, können Sie erkennen, dass seinem Spiel eine unglaubliche Poesie, Zartheit und Feinheit innewohnt. Ich bin mir sicher, dass seine ,Chopin-Sprache’ die Menschen ansprechen wird, unabhängig davon, ob sie wissen, welche Musik sie da gerade hören, oder ob sie die Musik nur genießen wollen. Wenn er mit dieser Leidenschaft für die Musik fortfährt, wird Cho sicher ein viel größeres Publikum weltweit erreichen“, fügte sie hinzu.

Cho ist in den vergangenen Monaten überall in der Welt umhergereist, um eine Reihe von Konzerten zu geben. Nur einen Tag vor seiner Ankunft in Seoul gab er ein Galakonzert in Sapporo, Japan.

In Ihrem Leben muss es viele Veränderungen gegeben haben, seitdem Sie im letzten Jahr den Chopin-Wettbewerb gewonnen haben. Besonders hier in Korea erleben wir ein gesteigertes Interesse an der klassischen Musik.

Die Teilnahme an einem Wettbewerb ist immer nervenaufreibend und anstrengend. Deshalb macht sie mir keinen so großen Spaß. Es ist mein langfristiger Traum, Konzertpianist zu werden, ein Pianist, der in den USA und in Europa auftritt.

Wettbewerbe können allerdings junge, vielversprechende Pianisten mit Träumen hervorbringen, so wie mich, die viele Möglichkeiten haben, ihre Ziele zu erreichen. Das ist der Grund, warum ich an dem Wettbewerb teilgenommen habe.

Nach meinem Sieg war ich überrascht über die Unterstützung und das Interesse, die mir plötzlich von Seiten der Fans entgegenschlugen, viel mehr, als ich erwartet hätte. Ich spüre nun ein noch größeres Verantwortungsgefühl, noch besser sein zu müssen.

Ich bin mir nicht sicher, ob es nur an mir liegt, dass das Interesse an der klassischen Musik so stark gestiegen ist, wie einige Leute sagen, aber es ist immer eine gute Neuigkeit für Musiker wie mich. Ich bin so glücklich darüber und hoffe, eine kontinuierliche Unterstützung und ein kontinuierliches Interesse für die klassische Musik zu erleben.

Ich würde gern mehr über die menschliche Seite von Seong-jin Cho erfahren. Erzählen Sie uns, wie Sie sich in das Klavier verliebt haben.

Als ich jung war, habe ich zunächst mit dem Geigenspiel begonnen. Ab einem jungen Alter habe ich gern klassische Musik gehört.Wenn ich Geige spielte, musste ich immer die ganze Zeit stehen. Wenn ich allerdings Klavier spielte, war das nicht notwendig. Meine Eltern sind keine Musiker und auch nicht musikalisch begabt. Obwohl sie keinerlei Verbindung zur Musik hatten, haben sie mich immer unterstützt, seitdem ich mich für diesen Weg entschieden habe. Was ich wirklich an ihnen schätze ist, dass sie mir immer vertraut haben.

Haben Sie bestimmte Tricks, um am Üben ´dranzubleiben?

Ich habe keine bestimmten Tricks. Ich habe einfach versucht, Chopins Musikintensiv zu verstehen und sie zu erforschen. Ich habe mir viele Darbietungen von Chopin angehört, auch solche, die von großartigen Künstlern aufgeführt wurden.

Sie werden erstmalig hier zu Hause auftreten, seitdem Sie den Wettbewerb gewonnen haben. Wie fühlen Sie sich? Bitte sagen Sie uns, wie ein großartiger Pianist sein sollte.

Sie sollten auf der Bühne immer die selbe Einstellung beibehalten, egal ob die Bühne groß oder klein ist. Es hat mich sehr nervös gemacht, mein erstes Konzert hier zu geben, seitdem ich den Wettbewerb gewonnen habe. Leute, die ich als „großartige Pianisten“ betrachte, sollten wissen, wie man eine kostbare und wertvolle Performance gibt. Bei einer musikalischen Darbietung sollten die Musiker mit großer Sorgfalt und Ernsthaftigkeit arbeiten. Da dies Meisterwerke sind, von denen wir wissen, dass sie nach vielen Anstrengungen und Mühen geschaffen wurden, müssen wir jedes einzelne Stück sehr ernst nehmen. Nur Musiker, die diese Art von Einstellung haben, sind qualifiziert, als ,große Musiker’ bezeichnet zu werden, denke ich.

Chopins Werke werden oft als einige der anspruchsvollsten Stücke eines Repertoires betrachtet. Stimmen Sie dem zu?

Ja, in der Tat! Mit seiner Musik ist wirklich schwer umzugehen, und man kann sie auf unterschiedliche Weise sehen und interpretieren - abhängig davon, wer zuhört. Manche Leute sehen Chopin als romantisch an, während andere ihn eher als wissenschaftlich einschätzen. Solche Unterschiede machen es schwierig für mich, zu entscheiden, was der ideale Weg für die Interpretation seiner Musik ist. Ich war mir nicht sicher über die Art, wie ich seine Musik aufgenommen habe. Bei der Vorbereitung auf den Chopin-Wettbewerb habe ich viel Zeit mit dem Üben und Einstudieren von Chopins Stücken verbracht. Ich habe bald meinen eigenen Weg gefunden, seine Musik zu verstehen, und habe seine Noten auf meine eigene Weise in die Tastatur einfließen lassen. Je stärker ich in seine Musik involviert war, desto tiefer wurde mein Verständnis dafür. Wenn Sie das selbe Repertoire wiederholen, ist es wahrscheinlicher, dass Sie irgendwann bestimmte Angewohnheiten entwickeln. Um das zu vermeiden, habe ich immer versucht, meinen Interpretationen seiner Musik etwas frischen Wind einzuhauchen.

Wer ist Ihr Vorbild?

Ich orientiere mich an niemandem als meinem Vorbild. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen. Einer meiner Favoriten ist der rumänische Pianist Radu Lupu, aber ich würde ihn nicht als Vorbild bezeichnen. Er hat einen ganz anderen musikalischen Stil als ich. Es stimmt, dass ich zu ihm aufblicke, aber musikalisch gehen wir völlig unterschiedliche Wege. Wenn ich seinen Stil übernehmen würde, nur, weil ich ihn mag, wäre das definitiv unnatürlich für mich. Deshalb habe ich kein Vorbild per se.

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