Hangeul-Buchstaben lassen Stimmen aus der Vergangenheit wieder auferstehen

Der Militärbeamte aus Joseon-Zeiten Na Sin-geol schrieb an seine Frau, Lady Maeng aus dem Sinchang-Maeng-Clan, etwa um das Jahr 1490.
Der Militärbeamte aus Joseon-Zeiten Na Sin-geol schrieb an seine Frau, Lady Maeng aus dem Sinchang-Maeng-Clan, etwa um das Jahr 1490.

„Hatten Sie einen angenehme und friedlichen Schlaf in der vergangenen Nacht? Ich sagte Ihnen gestern, dass Sie morgen in den Palast zurückkehren sollten… .“

Die höfliche Sprache und die feine Handschrift stechen ins Auge. Dies ist ein Auszug aus dem Brief, verfasst in Hangeul, von König Sukjong (reg. 1674-1720) an seine Mutter, Königin Myeongseong (1642-1683).

Der Brief zeigt, wie hochrangige Persönlichkeiten, einschließlich Könige und Königinnen, das koreanische Alphabet Hangeul anwandten. Diese Verwendung steht im Kontrast zu den Vorurteilen, die man unter vielen anderen Adeligen des Joseon-Reiches (1392-1910) findet, die nur das Schreiben in traditionellen chinesischen Schriftzeichen wertschätzten und auf das Hangeul als Alphabet für Frauen und einfache Leute herabsahen, indem sie es als „Eonmun“ bezeichneten.

Das Nationale Hangeul-Museum stellt in der Sonderausstellung „Erhalten Sie einen Einblick in die Gesellschaft durch ihre Briefe in Hangeul“ (vom 21. April bis zum 7. Juni) etwa 100 Briefe aus, die in Hangeul geschrieben wurden. Diese Briefe reflektieren den Lebensstil, das linguistische Gespür und das künstlerische Talent der Verfasser/innen aus unterschiedlichen Zeiten.

Eine Museumsgängerin studiert einen Brief, der von einer Frau, die sich als „Wonis Mutter” bezeichnet, geschrieben wurde. In dem 1586 verfassten Brief erzählt die Frau, wie sehr sie ihren verstorbenen Mann vermisst.
Eine Museumsgängerin studiert einen Brief, der von einer Frau, die sich als „Wonis Mutter” bezeichnet, geschrieben wurde. In dem 1586 verfassten Brief erzählt die Frau, wie sehr sie ihren verstorbenen Mann vermisst.

Die Ausstellung besteht aus drei Teilen: „Soziale Netzwerkdienste der digitalen Welt“, „Die Welt aus der Perspektive von Briefen“ und „Die Schönheit von Briefen“. Im ersten Abschnitt konzentriert sich die Ausstellung auf die Veränderungen in der Linguistik und bei heute verwendeten Kommunikationsmitteln dank der Entwicklung von Internet und Smartphone. Sie wirft einen Blick auf die Kommunikation der vielen Wege in der heutigen Zeit und vergleicht sie mit der zweiseitigen Kommunikation, die man in der Vergangenheit fand, sowie mit verschiedenen anderen Formen der Kommunikation wie Textnachrichten und handgeschriebenen Mitteilungen. Auch sieht sie sich neu entstandene Wörter an, die im Slang oder im Internet verwendet werden.

In den Abschnitten zwei und drei betrachtet die Ausstellung die soziale, kulturelle, historische und künstlerische Bedeutung von Hangeul-Buchstaben. Die Entwicklung verschiedener Buchstaben wird von Joseon-Zeiten bis in die Gegenwart betrachtet. Von den Königen bis zu den Nobi, der niedrigsten sozialen Klasse, tauschten alle Gesellschaftsschichten Briefe in Hangeul untereinander aus. Hinweise auf das Alltagsleben der Leute, historische Ereignisse und linguistische Ästhetik sind in diese Briefe eingebettet.

Unter den präsentierten Briefen ist ein Schreiben des Militärbeamten Na Sin-geol (1461-1524) an seine Frau, Lady Maeng des Sinchang-Maeng-Clans, enthalten, der um das Jahr 1490 verfasst wurde. Er schrieb den Brief, als er sich auf dem Weg nach Gyeongseong in Yeongan-do (Provinz Hamgyeong) befand. Man geht davon aus, dass es sich um den ältesten existierenden Brief in der Schrift Hangeul handelt.

Ein weiterer Brief stammt aus dem Grab von Yi Eung-tae. In diesem Brief beschreibt seine Frau, wie sehr sie ihren Mann vermisst, der verstorben ist.

Während der Eröffnungszeremonie spricht Yulia Pak aus Usbekistan über den koreanischen Brief, den sie an ihre Lehrer im König-Sejong-Institut schrieb.
Während der Eröffnungszeremonie spricht Yulia Pak aus Usbekistan über den koreanischen Brief, den sie an ihre Lehrer im König-Sejong-Institut schrieb.

Im Ausstellungsabschnitt über moderne Geschichte können Besucher/innen Briefe von Soldaten im Schüleralter und von nordkoreanischen Soldaten während des Koreakriegs (1950-53) lesen. Es gibt Briefe von Unabhängigkeitskämpfern während der Kolonialzeit und Briefe von Arbeitskräften, die ins Ausland entsandt wurden – in erster Linie nach Deutschland - , um in den 1960er und 1970er Jahren Geld für ihr Land zu verdienen. Ein Brief ist ganz besonders: Er wurde von einem Soldaten im Schüleralter geschrieben und beschreibt die Tragödie des Krieges sowie seine traurigen Gedanken über die menschliche Existenz.

Aus modernen Zeiten sind Briefe von nichtkoreanischen Studierenden aus aller Welt enthalten, die das koreanische Alphabet Hangeul an einem der König-Sejong-Institute weltweit erlernten.

Museumsbesucher/innen können sich aus erster Hand von der steigenden Popularität des Hangeul und dem wachsenden Interesse am Erlernen der Schrift überzeugen.

 

Als Kim Whanki 1964 in New York weilte und seine Frau Kim Hyangan in Korea war, verfasste er einen Brief an sie, den er eigenhändig verzierte.
Als Kim Whanki 1964 in New York weilte und seine Frau Kim Hyangan in Korea war, verfasste er einen Brief an sie, den er eigenhändig verzierte.

Auch werden sie die Gelegenheit haben, ästhetische Kalligrafien von Hangeul-Buchstaben zu sehen, die von den Königen Sukjeong (reg. 1674-1720), Seonjo (reg. 1567-1608) und Jeongjo (reg. 1776-1800) angefertigt wurden.

In der Ausstellung werden auch Briefe von Kim Jeong-hui (1786-1856) gezeigt, die er in einem leichten und lebendigen Stil schrieb, sowie der Brief einer Hofdame an die Ehefrau von Karl Ivanovich Veber, dem Kaiserlich-Russischen Gesandten in Korea während der Herrschaft des Königs und späteren Kaisers Gojong (reg. 1863-1907). Der Brief der Hofdame Ha veranschaulicht die Essenz des höfischen Schreibstils.

Während der Eröffnungszeremonie der Ausstellung am 20. April sagte Kim Dong-ho, der Vorsitzende des Präsidialausschusses für kulturelle Bereicherung: „Dies ist eine sehr bereichernde und interessante Ausstellung. Briefe sind ein Kommunikationsmittel und spielen eine wichtige Rolle, um die Gedanken der Menschen zum Ausdruck zu bringen.“

„Hangeul war die Grundlage der koreanischen Literatur, der Verslehre und der Briefliteratur. Es leistete einen Beitrag zur Entstehung verschiedener Hangeul-Schriftarten, darunter das Gungche, der höfische Stil der koreanischen Schrift und die vielen Hangeul-Designs, die heute existieren. Sein wissenschaftlicher Aufbau hat zur Verbreitung des Hangeul weltweit geführt”, fügte er hinzu.

Weitere Informationen über das Nationale Hangeul-Museum sind auf seiner Homepage in vier Sprachen verfügbar: http://www.hangeul.go.kr

Fotos: Jeon Han, Nationales Hangeul-Museum

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