Korea und Kenia feiern unter einem Dach

Samulnori-Vorführung

Mehr als 200 Menschen haben sich am 26. Mai in der Banketthalle des Safari Park Hotel in Nairobi versammelt, um das schöne Grün der Hotelanlagen zu genießen.

Sie hatten sich dort für den „Tag der koreanischen Kultur im Ausland“ eingefunden, einem lokalen Festival, das vom King Sejong Institute in Nairobi organisiert worden war. Dort wurde sowohl traditionelle als auch zeitgenössische Musik aufgeführt, und es wurde leckeres Essen serviert. Es gab gedünsteten Reis, die Reiskuchensuppe Tteokguk, den Reiskuchen Injeolmi und schmackhaften Reiskuchen mit einer Rote-Bohnen-Füllung. Kenianische Köche bereiteten die Reisrollen Gimbap und die Pfannkuchen Pajeon zu, um auf diese Weise ihre Expertise in der koreanischen Küche zu demonstrieren

Die Samulnori-Trommelshow war nur der Auftakt für die Hauptveranstaltung. Traditionelle koreanische Perkussionsinstrumente wie die Stundenglastrommel Janggu, der große Gongs Jing und der kleinere Gong Kkwaenggari sorgten für eine wahre Harmonie und beeindruckten das Publikum. Bei den Aufführenden handelte es sich um Schülerinnen und Schüler des King Sejong Institute. Auch wenn es sich bei ihnen nicht um Profimusiker handelt, rissen sie das Publikum durch ihren großen Enthusiasmus mit.

Tanzperformance von kenianischen Schülerinnen des King Sejong Institute in Nairobi

Tanzgruppen bestehend aus kenianischen Schülerinnen und Schülern führten die Choreografien einiger der neuesten K-Pop-Lieder auf. Sie zeigten ihre rhythmischen, dynamischen Tanzbewegungen zu dem Song „Gangnam Style“, wobei sie einige Änderungen an dem ursprünglichen, darin enthaltenen „Pferdetanz“ vornahmen. Das sorgte für viel Applaus vom Publikum. Darauf folgte eine Gruppe von koreanischen Teenagern, die einen traditionellen Fächertanz zeigte und auch zu einigen K-Pop-Liedern tanzte. Ebenfalls absolut beeindruckend war die Taekwondo-Vorführung. Die Athleten kombinierten mit den Kampfkunstbewegungen Tanzkunstelemente, sodass die Präsentation mehr wie eine Street-Dance-Performance aussah anstatt einer reinen sportlichen Demonstration.

Ein kenianischer Koch bereitet koreanische Speisen zu.

Nach der Vorführung genossen alle das vorbereitete Essen. Es bildeten sich lange Schlangen am reichhaltigen Büffet, und überall sah man zufriedene Gäste, die sich angeregt miteinander unterhielten.

Lynne Imali Kazi, eine Studentin, die im Hauptfach Koreastudien und politische Diplomatie an der Universität Nairobi studiert, sagte: „Mein Traum ist es, eine Übersetzer- und Dolmetscherfirma zu gründen, die Geschäfte zwischen Korea und Kenia abwickelt.“

Kazi erzählte, dass sie aus Kisumu komme, Kenias drittgrößter Stadt, und dass sie an diesem Tag ihre Testergebnisse für den Test Mittelstufe vier des TOPIK (Test of Proficiency in Korean) erhalten habe, den sie Anfang des Monats abgelegt hatte. Wenn man ihre TOPIK-Ergebnisse betrachtet, könnte sie ohne Probleme in Korea leben. Das hat sie auch den vier Reisen nach Korea zu verdanken, die sie bereits gemacht hat, die vom King Sejong Institute organisiert wurden, und weil sie Koreanisch an der Hangang University gelernt hat.

Vor nicht allzu langer Zeit schienen Korea und Kenia noch ziemlich weit voneinander entfernt. Heute sind die beiden Länder viel enger zusammengerückt. Das ist auch den enormen Anstrengungen von Lee Eung-su zu verdanken, dem Direktor des King Sejong Institute in Nairobi, das im September 2011 eröffnet wurde. Kim war vor seiner Tätigkeit in Nairobi 28 Jahre lang Kampfpilot und arbeitete dann für ein koreanisches Konglomerat. Eher per Zufall kam er nach Kenia.

Kim ist römisch-katholischen Glaubens und arbeitete in Korea als Freiwilliger an einer Abendschule, die von der Römisch-Katholischen Kirche für Expatriates und Gastarbeiter betrieben wurde. Während seiner Freiwilligenarbeit traf er viele kenianische Expatriates. Viele von ihnen lebten in Paju und Munsan in der Provinz Gyeonggi-do, aber sie hatten Probleme bei der Bewältigung des koreanischen Alltags aufgrund der Sprachbarriere und der kulturellen Unterschiede. Ein Kenianer bat Kim sogar, in seine Heimat zu kommen und dort Koreanisch zu unterrichten. So ging der ehemalige Kampfpilot 2008 auf eigene Initiative nach Nairobi, um eine Schulen aufzubauen und Koreanisch zu unterrichten. Drei Jahre später wurde die Schule zum King Sejong Institute. Nun werden am Institut jedes Semester, das sechs Monate dauert, etwa 30 Interessierte unterrichtet. Bislang haben dort mehr als 700 Personen Koreanisch gelernt.

Kenianische Schülerinnen des King Sejong Institute

Von ihnen haben inzwischen mehr als 60 in Korea studiert und Stipendien von der Korea University, der Ewha University und der Sookmyung Women’s University erhalten. Einige von ihnen haben auch an den Berufsschulen gelernt, die der Stadtverwaltung Seoul unterstehen. Andere wiederum arbeiten für koreanische Unternehmen.

Eines der Motive für das Erlernen der koreanischen Sprache liegt für die Kursteilnehmerinnen und –teilnehmer darin, die Armut zu überwinden und von Koreas erfolgreichen Erfahrungen bei der wirtschaftlichen Entwicklung und der Demokratisierung des Landes zu lernen.

Kenianische Besucherinnen und Besucher des Festivals

Ha Tae Hyun, der Direktor des Mahaniam Educational Institute, sagte: „Die Kenianer haben einen sehr großen Bildungshunger, ähnlich wie die Koreaner in den 1960er und 1970er Jahren. Sie möchten ihre Kinder ausbilden lassen, trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen.“ Koreaner und Kenianer sind nun durch das gemeinsame Musizieren und Essen zu echten Freunden geworden.

Fotos: Korea.net

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