Koreanische Filme in Russland

Lyudmila Mikheesku

Von Lyudmila Mikheesku

In Russland wächst die Fangemeinde für K-Pop und koreanische Fernsehdramen stetig. Dennoch weiß der durchschnittliche Russe wenig über Korea und noch weniger über den koreanischen Film.

Als sich die Europäer in den 2000er Jahren für den koreanischen Film zu interessieren begannen, folgten die Kinos in Russland diesem Beispiel und begannen koreanische Filme zu zeigen. In jüngster Zeit sind aufgrund der Finanzkrise allerdings weniger koreanische Filme im Verleih. Es ist schwer, in Moskau ein Kino zu finden, das Filme aus Korea zeigt, und die russischen Medien berichten nur selten über dieses Thema. Leute mit Interesse am koreanischen Film können einige Titel ausfindig machen und anschauen, aber die Mehrheit der Russen ist nicht mit koreanischen Filmen vertraut, weil sie in den lokalen Medien nichts darüber lesen oder hören.

In den 2000er Jahren haben viele Russen Filme von Regisseuren wie Kang Je-kyu, Kim Jee-woon, Bong Joon Ho, Lee Chang-dong und Im Kwon-taek geschaut. Die beiden Regisseure Kim Ki-duk und Park Chan-wook haben das größte Interesse unter Kinogängern geweckt.

Kim Ki-duk wurde etwa vor 15 Jahren in Russland bekannt. Seitdem wurden all seine Filme in russischen Kinos gezeigt oder als DVDs vertrieben. Nachdem sein Film „Real Fiction" (2000) beim 23. Internationalen Filmfestival Moskau gezeigt wurde, hat Kim Ki-duk Russland mehrfach besucht. Seit seinem Debüt auf dem russischen Markt haben sich Fans und Filmkritiker gleichermaßen mit der Filmwelt des Regisseurs beschäftigt.

Als jemand, der nur den Film „Spring, Summer, Fall, Winter... and Spring" (2003) mag, ist es für mich ein wenig schwierig, die enorme Popularität von Kim Ki-duk nachzuvollziehen, aber ich glaube, dass seine zumeist jungen Fans Sympathien für die „wahre Kunst“ haben, die in seinen gewaltvollen Filmen durchschimmert. Seine Kritiker mögen die abscheulichen Szenen in seinen Filmen ablehnen, aber seine Unterstützer haben Sympathien für die kompromisslose künstlerische Vision. In dieser Hinsicht sind Kim Ki-duks filme zu einer Hauptsäule der russischen Filmszene geworden. Sogar in Zeiten wie diesen ist es wahrscheinlich, dass es sich um einen Film von Kim Ki-duk handelt, wenn ein Russe zufällig einen koreanischen Film schaut.

Park Chan-wook hingegen ist mit seinem Film „Old Boy“ (2003), dem Gewinner der Filmfestspiele in Cannes 2004, in Russland bekannt geworden. Das russische Kinopublikum war fasziniert von den bewegenden Actionszenen und den unterwartet wechselnden Handlungssträngen in dem Film. Folgerichtig haben viele Russen alle drei Filme gesehen, die zu der Rachetrilogie gehören: „Sympathy for Mr. Vengeance" (2002) „Old Boy" und „Sympathy for Lady Vengeance" (2005). Neben der Trilogie allerdings waren andere Film von Park Chan-wook in Russland nicht so erfolgreich. Der Vorgängerfilm von „Old Boy“, nämlich Joint Security Area" (2000), wurde in russischen Kinos gezeigt, aber vermutlich haben die meisten Leute nicht realisiert, dass beide Filme von demselben Regisseur waren. In den Köpfen der russischen Kinogänger wird Park Chan-wook immer mit „Old Boy“ in Verbindung gebracht werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Russen dank Kim Ki-duk und Park Chan-wook mit dem koreanischen Film vertraut wurden. Allerdings sind aus diesem Phänomen auch einige negative Schlüsse gezogen worden. Da diese beiden Regisseure den größten Einfluss auf die Wahrnehmung des koreanischen Films bei dem russischen Publikum hatten, schrieben russische Journalisten und Filmkritiker – die lediglich oberflächliche Kenntnis vom koreanischen Film hatten - dass koreanische Filme grausam und extrem gewalttätig seien. Die öffentliche Meinung orientiert sich bekanntlich an der Medienberichterstattung. Auch dieser Tage sind die meisten Russen der Auffassung, dass koreanische Filme gewalttätig und dem Genre des Thrillers zuzuordnen sind.

Der durchschnittliche Russe, der nie einen modernen koreanischen Film gesehen hat, wird nichts von den Klassikern wissen. Regisseure wie Yu Hyun-mok, Shin Sang-ok, Kim Soo-yong, Lee Man-hee sind in Russland praktisch unbekannt. Es gibt vielleicht eine Chance, dass sie von Kim Ki-young gehört haben, weil er das Original des Films „The Housemaid" (1960) gemacht hat, von dem es dank des Regisseurs Im Sang-soo 2010 eine Neufassung gab.

Der gegenwärtige Zustand des koreanischen Films in Russland ist suboptimal, aber es gibt definitiv Raum für Verbesserung. Da es heutzutage möglich ist, sich online über koreanische Filme zu informieren, begeben sich russische Filmliebhaber selbst auf die Suche. Ich habe den Eindruck, dass jüngere Russen heute die Filme von Hong Sang-soo mögen. Kim Ki-duk ist nach wie vor der Favorit, aber der Filmmarkt verändert sich langsam.

Das Koreanische Kulturzentrum in Russland hat kürzlich angekündigt, dass 2016 das „Jahr des koreanischen Kinos“ sei. Ab Ende März wird eines der bekanntesten Kinos in Moskau bei freiem Eintritt jeden Monat einen aktuellen koreanischen Film zeigen. Auch in anderen großen Städten Russlands wird die Ausstrahlung koreanischer Filme organisiert. Bei diesen Vorhaben handelt es sich um die größten Initiativen, die es in den letzten Jahren bezüglich des koreanischen Films in Russland gab. Es ist meine Hoffnung, dass das „Jahr des koreanischen Kinos“ die Liebe der Russen für den koreanischen Film wieder entfachen wird.

 Lyudmila Mikheesku ist Bildredakteurin des russischen Medienunternehmens Nezavisimaya Gazeta.

 

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