Koreanische, japanische, chinesische Jugendliche diskutieren über trilaterale Beziehungen

Brainstorming in der Gruppe

Die Stadt Goseong in der Provinz Gangwon-do ist eines der populärsten Ausflugsziele im Sommer. Dort warten der Nationalpark am Berg Seoraksan und die Strände des Ostmeeres auf Urlauber. In den letzten paar Wochen war Goseong zusammen mit der Nachbarstadt Sokcho einer der belebtesten Orte in Korea, da ein bestimmtes ortsabhängiges Smartphonespiel, das in Korea noch nicht offiziell eingeführt wurde, an diesen Orten bereits jetzt verfügbar ist. Ein anderer Grund war, dass sich derzeit im Schatten der Bergkette eine Gruppe koreanischer, japanischer und chinesischer Studierender aufhält.

Die Studierenden sind allerdings nicht wegen des Smartphonespiels in die Provinz Gangwon-do gekommen. Anstatt wie gebannt auf den Touchscreen ihrer Smartphones zu starren, haben diese Teilnehmer des „Diplomatischen Camps Korea-Japan-China 2016“ den Großteil ihrer Zeit damit verbracht, miteinander zu diskutieren und neue Standpunkte kennenzulernen.

Das „Diplomatische Camp Korea-Japan-China” geht nun in sein fünftes Jahr. Es ist ein Programm, das alljährlich vom koreanischen Außenministerium durchgeführt wird. Gedacht ist es ausschließlich für koreanische, japanische und chinesische junge Leute, und es ist Teil der Regierungsbemühungen, die Partnerschaften und Beziehungen auf Nichtregierungsebene zwischen den Menschen der drei Länder auszubauen. Mehr als 70 koreanische, japanische und chinesische Studierende, die an koreanischen Universitäten eingeschrieben sind – einschließlich eines japanischen Studierenden, der für die Teilnahme an dem Camp aus Japan angereist ist – nahmen an der diesjährigen Veranstaltung teil. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern war ganz deutlich anzusehen, wie sehr sie sich darüber freuten, neue Leute kennenzulernen und mehr übereinander zu erfahren.

Beim Ratespiel (Fotos: Chang Iou-chung)

Am 18. Juli, dem ersten Abend des Camps, hatten die Teilnehmer, die sich an dem Tag erst kennengelernt hatten, nach nur einigen Quiz- und Ratespielen bereits untereinander Kontakte geknüpft. Eine chinesische Studentin, Quan Mi, die gegenwärtig ihren Master an der Seoul National University in vergleichender Literatur macht, war die Gewinnerin des Quiz.

Am zweiten Tag des Camps bestand die Gelegenheit für die Studierenden, mehr über die moderne koreanische Geschichte und den Koreakrieg (1950-1953) zu lernen. Im Sokcho-Museum sahen sie sich Räume an, in denen Bilder von Flüchtlingen während des Krieges gezeigt wurden. Auch war zu sehen, wie sich ein früheres Flüchtlingscamp in ein Dorf namens „Abai Village“ verwandelt hat. Am Nachmittag besuchten sie das Wiedervereinigungsobservatorium Goseong, wo sie sich aus erster Hand ein Bild vom geteilten Korea machen konnten. „Es ist das erste Mal für mich, dass ich so dicht an Nordkorea bin“, sagte Hong Wen Chao mit einer Mischung aus Aufregung und Ruhe. Die junge Frau aus Shanghai studiert gegenwärtig an der University of Seoul Altkoreanisch.

Am 20. Juli, dem dritten Tag des Camps, konnten die Studierenden leider wegen starken Regens und Nebels eine Wanderung auf den Seoraksan nicht antreten. Stattdessen führten sie am Nachmittag ein Brainstorming durch und machten sich Gedanken über die trilateralen Beziehungen zwischen Korea, Japan und China. Dabei entstanden Ideen wie: trilaterale Kochwettbewerbe, gemeinsame Plattformen für den Austausch von Reiseinformationen in allen drei Sprachen, eine trilaterale Organisation für die Zusammenarbeit beim Umweltschutz, eine Stiftung für Stipendien und visafreies Reisen für junge Leute.

„Es gibt einen Satz, den ich bereits vor langer Zeit gehört habe, aber er ist mir im Gedächtnis geblieben: ,Wenn du einen engen Freund in einem anderen Land hast, wird niemals ein Krieg ausbrechen.‘ Als ich zum ersten Mal nach Südkorea gekommen bin, war ich fest entschlossen, wenigstens eine enge Freundschaft zu schließen. Aber jetzt habe ich ganz viele enge Freunde in einem sehr kurzen Zeitraum gefunden; viel mehr, als ich erwartet hätte“, sagte Matsui Yuki lächelnd, eine Austauschstudentin an der Incheon National University.

Moon Ji-won, die an der Korea University studiert und sich für diplomatische Beziehungen und Politik in Nordostasien interessiert, sagte, dass das Camp eine großartige Gelegenheit für sie gewesen sei, „in der Lage zu sein, die authentischen Stimmen von chinesischen und japanischen Studierenden über verschiedene Themen zu hören, die für Nordostasien relevant sind.”

Das „Diplomatische Camp Korea-Japan-China 2016”, eine der wenigen Gelegenheiten für junge südkoreanische, japanische und chinesische Studierende, mehr übereinander zu erfahren, ging am 21. Juli nach vier Tagen mit einer Abschlusszeremonie und einer gemeinsamen Erklärung zu Ende.

Neben dem Diplomatischen Camp führt das koreanische Außenministerium auch ein Einladungsprogramm für junge Studierende für den Besuch des Sekretariats für trilaterale Kooperation in Seoul durch. In den kommenden Jahren plant das Ministerium einen Ausbau solcher Programme, darunter auch die Nachstellung eines trilateralen Gipfels und ein Aufsatzwettbewerb, verkündete das Ministerium.

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