Lehrertag

„Wenn du wiederholst, was du gelernt hast, und neu lernst, bist du dazu befähigt, Lehrer zu sein.“ 2:11子曰。溫故而知新、可以爲師矣.

„Die Analekten“ wurden in ihrer endgültigen Form um 210 v.Chr. von Schülern des Konfuzius (공자, 孔子, 551 - 479 v.Chr.) kompiliert. Er war vermutlich der berühmteste Lehrmeister des alten Ostasiens. Sein Einfluss hat sich seitdem in Zeit und Ort verbreitet und seine Spuren in vielen modernen ostasiatischen Gesellschaften hinterlassen.

Auch wenn der Weltlehrertag immer auf den 5. Oktober fällt, zelebriert Korea seinen eigenen Lehrertag (스승의 날) oder Nationalen Lehrertag Mitte Mai. Die moderne Form dieses Feiertags startete 1963, als eine Gruppe von Jugendlichen, die dem Roten Kreuz angehörte, ihren Lehrer besuchte, der im Krankenhaus lag. 1965 wurde der Feiertag auf den Geburtstag von König Sejong, den Großen (1397-1450), verlegt, der am den 15. Mai gefeiert wird.

Jedes Jahr am 15. Mai oder am Unterrichtstag, der dem 15. Mai am nächsten ist, erhalten Lehrer im ganzen Land Nelken. Sowohl jetzige als auch frühere Schüler strömen zu den Klassenräumen, um ihre Lieblingslehrer zu ehren und ihnen eine einzelne rote Nelke zu überreichen. Ebenfalls am 15. Mai verleiht das Bildungsministerium jedes Jahr in der koreanischen Hauptstadt einen Verdienstorden an eine besonders herausragende Lehrerin oder einen besonders herausragenden Lehrer des Landes. Diese Pädagogin oder dieser Pädagoge wird für ihre oder seine ideale Lehrmethode, den Einfluss auf die Schüler und den Gesamtbeitrag zur Verbesserung der Gesellschaft geehrt. In den Provinzen im ganzen Land organisieren Alumni-Organisationen oft „Zeremonien als Dankbarkeitsbekundung“ oder generelle Akte der Dankbarkeit gegenüber ihren lokalen Schulen oder früheren Lehrern. Wir alle verbringen in unserer Jugend etwa zwei Jahrzehnte in der Schule, und die Ehrung unserer Lehrer erinnert uns an unsere Jugend und führt uns gemeinsam mit unseren Klassenkameraden in das Gestern zurück.

Wie bei allen Dingen im Leben kann es aber auch beim Lehrertag eine Schattenseite geben, und diese resultiert aus den Schwächen des modernen koreanischen Bildungssystems. Wie in der „Los Angeles Times“ am 13. Mai 2009 berichtet wurde, gibt es gelegentlich Skandale, wenn Schüler aus reichem Hause ihren Lehrern besonders großzügige Geschenke machen. In der Tat schließen einige Schulen sogar am Lehrertag, um solche Verdachtsfälle von Bestechung oder Bevorzugung zu vermeiden. In dem Artikel ist zu lesen: „Die Behörden haben sich darum bemüht, Bestechungen zu verhindern – diese werden gewöhnlich in Form eines einfachen Umschlags durchgeführt, prall gefüllt mit Bargeld, der von überehrgeizigen Eltern überreicht wurde, die sich jeden nur möglichen Vorteil für ihre Kinder sichern wollen, während sie sich im äußerst wettbewerbsorientierten schulischen Umfeld bewegen.“

Nichtsdestotrotz stechen solche Skandale schon allein aufgrund ihrer Seltenheit hervor. Eine größere Bedrohung für den Lehrertag ist allerdings die Gleichgültigkeit.

Im Mai 2012 brachte die „Korea Times” eine Schlagzeile: „Lehrertag hat sich zu aussterbender Tradition entwickelt.“ Darin wurden Umfrageergebnisse angeführt, aus denen hervorging, dass die meisten Schulabgänger entweder den Lehrertag ignorieren, sich nicht „bereit“ fühlen, ihren Lehrern wieder unter die Augen zu treten oder am 15. Mai einfach zu beschäftigt sind, um ihre Oberschule zu besuchen und ihrem Lieblingslehrer eine rote Nelke zu überreichen.

Das offizielle Ziel der Regierung für den Feiertag ist es, „ein soziales Klima des Respekts und der Autorität zu schaffen, einen Tag zu haben, an dem wir Lehrer ehren, die Moral der Lehrer zu heben und den sozialen Status des Lehrers zu verbessern.” In der Tat ist es bei der Lektüre dieser trockenen Kommentare nicht verwunderlich, dass der heutige Schulabgänger gegenüber dem Lehrertag Gleichgültigkeit empfindet.

Aber es ist nicht alles hoffnungslos - es gibt einen Lichtschimmer am Lehrertag, wie der Kommentar von Google-Nutzerin Olivia Hyunh am 15. Mai 2015 beweist. Sie schreibt: „Lehrer sind unsere Mentoren, Freunde und Katalysatoren. Sie sind wilde, emsige Funken, die mit einem Wort unsere Leidenschaft entfachen können. Auch wenn sie nicht unsere Eltern sind, ziehen sie uns dazu auf, die beste Version unseres eigenen Selbst zu sein. Ihr Einfluss hält ein Leben lang an, da die Lektionen, die wir gelernt haben, an andere weitergegeben werden, wie ein Erbe der Weisheit. Lasst uns heute die Lehrer feiern, die zu den nobelsten und selbstlosesten Menschen zählen, überall in Korea.“

Ich denke, dass niemand es besser hätte sagen können.

Lasst uns deshalb an diesem Tag unsere Hand zu unseren ehemaligen Pädagogen ausstecken, nicht nur durch Facebook. Sie bedeuten uns viel – sie haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind, und hatten einen riesigen Einfluss darauf, wie wir als Kind aufgewachsen sind.

Alles Gute zum Lehrertag!

Foto: Yonhap News

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