Monami schreibt Geschichte koreanischer Schreibwaren

Foto: Monami, Jeon Han
Foto: Monami, Jeon Han

In jedem Büro und auf jedem Schreibtisch in Korea findet sich ein Kugelschreiber des gleichen Designs. Er hat einen langen, weißen hexagonalen Körper, einen schwarzen, blauen oder roten Knopf und ist an der Spitze trichterförmig. Auch ist er mit einer dreistelligen Zahl versehen: 153. Das ist der Kugelschreiber Monami 153.

Bei oberflächlicher Betrachtung scheint es sich dabei nur um einen weiteren schlichten Kugelschreiber zu handeln. Seit seiner Markteinführung 1963 bis zum Jahr 2013 einschließlich wurden jedoch mehr als 3,6 Milliarden Einheiten des Stiftes verkauft. Vor vielen Jahren machte es die Einführung von Computern, Druckern und Fotokopierern für die Menschen überflüssig, ständig einen Stift in der Hand zu halten, aber viele Koreaner zeigen immer noch eine große Zuneigung für dieses Schreibutensil.

Das Hauptquartier von Monami liegt in Suji-gu (Bezirk) in Yongin, Provinz Gyeonggi (Foto: Monami, Jeon Han)
Das Hauptquartier von Monami liegt in Suji-gu (Bezirk) in Yongin, Provinz Gyeonggi (Foto: Monami, Jeon Han)

Der Name Monami kommt vom französischen Wort „mon ami”, was „mein Freund” bedeutet. Monami-Gründer Song Sam-suk sah zufällig einen japanischen Mitarbeiter in einer Schreibwarenfirma, der bei einer internationalen Ausstellung im Jahr 1962 einen Kugelschreiber benutzte. Plötzlich kam ihm die Idee, selbst einen Kugelschreiber herzustellen. Damals verwendeten viele Koreaner Füller, deren Patronen zum Auffüllen in Tintenfässer getaucht werden mussten. Deshalb schien es für Song eine sensationelle Idee zu sein, einen Stift herzustellen, für den man kein Tintenfass benötigte.

Song begann, seine neue Produktlinie zu entwickeln, indem er Marktforschung betrieb. Im Mai 1963 stellte Monami seinen brandneuen Kugelschreiber 153 vor. Die Leute zeigten allerdings gemischte Reaktionen bezüglich des neuen Produkts. Monami musste einigen Kunden sogar den Preis ihrer Hemden bezahlen, da die Tinte einiger der Kugelschreiber 153 die Vordertasche ihrer Hemden verfärbt hatte. Auch waren diejenigen, die an Füllfederhalter gewöhnt waren, nicht von dem neuen Artikel begeistert.

Das Unternehmen setzte seine Forschung fort und löste diese Probleme. Es rief eine Kampagne ins Leben, um das Bewusstsein der Menschen zu verändern und sie zu ermutigen, ihre Tintenfässer zu entsorgen und stattdessen einen Kugelschreiber zu benutzen. Die Vorzüge des Monami 153 – der Komfort, der Knopf am Ende, der günstige Preis des Stiftes von 15 koreanischen Won und sein einfaches Design – trugen ebenfalls wesentlich dazu bei, seine Popularität zu steigern. Der Kugelschreiber Monami 153 erhielt die Zertifizierung „KS“ von der koreanischen Regierung, da er alle Voraussetzungen für den Erhalt von Dokumenten erfüllte: Widerstandskraft gegen Wasser, Öl und Licht. Das Produkt entwickelte sich zum Kultschreibutensil eines sich rasant modernisierenden Koreas.

Monamis Ölpastellkreiden in einem Schreibwarenladen in der Türkei (Foto: Monami, Jeon Han)
Monamis Ölpastellkreiden in einem Schreibwarenladen in der Türkei (Foto: Monami, Jeon Han)

Monami erlebte harte Zeiten. 1989 tauchten viele importierte Schreibwaren in Korea auf, da die koreanische Regierung den Markt für Schreibwaren geöffnet hatte. Die Leute bevorzugten andere Stiftmarken anstelle des Monami 153, da diese beim Schreiben eine feinere Textur hatten. Monami-Stifte fühlten sich beim Schreiben etwas sperrig an. Das Unternehmen beschloss, an seinen Schwächen zu arbeiten, indem es das kürzlich erhaltene „KS“-Zertifikat an die Regierung zurückgab und sich auf die Entwicklung hochwertigerer Produkte konzentrierte. Die Firma machte sich daran, die Gesamtqualität ihrer Stifte und Schreibutensilien zu verbessern.        

Monami hat immer ihre niedrigen Produktionskosten aufrechterhalten. 1963 kostete der Monami 153 zunächst 15 koreanische Won; das entsprach dem Preis der Ausgabe einer Tageszeitung. Heute kostet er 300 koreanische Won, was weit unter dem Preis einer Tageszeitung liegt. Der Kugelschreiber Monami 153 hat sich zu einem langfristigen Bestseller entwickelt, der von mehr als drei Generationen von Schriftstellern benutzt wurde/wird: von den Großeltern bis zu den Enkelkindern.

Der Monami 153 ist nicht das einzige populäre Produkt von Monami. Koreaner bezeichnen alle Stifte, die auf Tinte aus Wasserfarbe basieren, als „sign pens“ (,Stifte zum Unterschreiben‘), permanente Marker als „name pens“ (,Namensstifte‘) und auf Öltinte basierende Stifte als „magic pens“ (,magische Stifte‘). Da sie im Laufe der Jahre viel Anerkennung von den Kunden erhalten haben, sind die Produktnamen der Firma als allgemeingebräuchliche Bezeichnungen in koreanische Lexika eingegangen.

Bis heute hat sich Monami als größter Schreibwarenhersteller in Korea positioniert. Im letzten Jahr erreichte das Gesamtverkaufsvolumen 130 Milliarden koreanische Won. Monamis Produkte haben nicht nur in Korea, sondern auch im Ausland Popularität erreicht. Seitdem das Unternehmen 1989 eine Fabrik in Thailand errichtete, hat es in China und Thailand Verkaufshäuser eingerichtet und exportiert seine Waren in rund 50 Länder, einschließlich Märkten in Asien und im Nahen Osten. Monamis Produkte inklusive seiner Ölpastellprodukte machen beispielsweise in der Türkei 60 Prozent des Marktanteils aus.

Geschäftsführer Kang Sung-Cho betont: „Das Erkennen der Funktionen, die Kunden wollen, ist der Schlüssel zur Produktentwicklung.” (Foto: Jeon Han, Monami)
Geschäftsführer Kang Sung-Cho betont: „Das Erkennen der Funktionen, die Kunden wollen, ist der Schlüssel zur Produktentwicklung.” (Foto: Jeon Han, Monami)

Zum Grund befragt, warum Monami bei den Kunden so beliebt ist, sagte Geschäftsführer Kang Sung-Cho: „Wir unternehmen weiterhin Anstrengungen, uns weiterzuentwickeln und uns nicht auf unserem Status Quo auszuruhen. Monami bemüht sich darum, Fortschritte zu erzielen und durch Forschung und Entwicklung Veränderungen zu erreichen, indem wir in unsere Einrichtungen investieren, die Produktion steigern, unsere Qualität verbessern und die Produktionskosten reduzieren.“

Bezüglich der Popularität des 153 in der Vergangenheit erinnert sich Kang: „Wir haben sieben Produktionsmaschinen installiert, die bis zu 70 Stifte in einer Minute produzieren konnten, und haben sie rund um die Uhr laufen lassen. Selbst auf diese Weise konnten wir noch nicht den Bedarf decken. So haben wir eine neue Maschine entwickelt, die bis zu 200 Stifte in einer Minute herstellen konnte, die die Produktivität verbesserte und einen Beitrag zur Automatisierung des gesamten Produktionsprozesses leistete.“

„Kunden wollen besondere Funktionen, nicht ein bestimmtes Produkt”, sagte Kang. „Die Zahl der Menschen, die Schreibutensilien benutzen, ist aufgrund der Automatisierung in Büros gesunken, aber es gibt immer noch eine Nachfrage nach Schreibprodukten, die bestimmte Funktionen erfüllen können.“

Indem er die Automobil- und Schiffbauindustrie als Beispiele heranzog, sagte Kang: „Arbeiter an den Fließbändern in der Automobil- und Schiffbauindustrie benötigen besondere Schreibwerkzeuge, die auf Stahlblättern verwendet werden können. Das Gleiche gilt für Mitarbeiter in Atomkraftwerken. Wir müssen herausfinden, welche Funktionen Kunden benötigen, um neue Märkte zu schaffen.“

Kang brachte sein großes Vertrauen in Monamis technische Expertise und seine gesammelten Erfahrungen zum Ausdruck und zeigte sich überzeugt: „Andere Unternehmen mögen das Aussehen unserer Produkte imitieren, aber sie werden niemals die Qualität unserer Produkte kopieren können.”

(Foto: Jeon Han, Monami)
(Foto: Jeon Han, Monami)

Eine Forscherin führt in der Abteilung für Tintenentwicklung ein Experiment durch. Verschiedene Experimente laufen, um die Funktion der in den Monami-Produkten verwendeten Tinte zu verbessern, so wie Farbe, Haltbarkeit und Gesamtqualität.

Foto: Jeon Han, Monami
Stift aus Anlass des Papstbesuchs 2014 (Foto: Jeon Han, Monami)

2013 produzierte Monami eine limitierte Auflage des Kugelschreibers Monami 153, um den 50. Geburtstag des Produktes zu feiern. Insgesamt 10.000 Artikel wurden innerhalb eines Tages verkauft, was die ungebrochene Popularität des Monami 153 unter Beweis stellt.

Kürzlich hat Monami den Monami 153 D auf den Markt gebracht. Bereits kurz nach seiner Markteinführung war der Stift unheimlich beliebt. Es ist eine weiterentwickelte, luxuriöse Version des ursprünglichen Kugelschreibers 153.

Im Mai 2014 wurde der Monami 153 „Fisherman” aus Anlass von Papst Franziskus‘ Besuch in Korea entworfen. Ein Juweliermeister bildete auf dem Stift das Design eines Fischers ab, der einen Fisch fängt. Monami überreichte dieses Produkt dem Papst als Geschenk. Es wird im Vatikan-Museum ausgestellt werden.

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