MT Sessions

Kislova Evgeniya (Foto: Korea.net)

Von Kislova Evgeniya

 

Heute möchte ich einen Aspekt des Universitätslebens in Korea vorstellen: Die MT Sessions.

Viele Studenten, vor allem Studienanfänger, nehmen an MT Sessions mit ihrer Fakultät oder einem Studentenclub teil. Das Kürzel „MT“ steht für „membership training“, eine MT Session ist demnach ein kurzer Ausflug, bei dem sich neue und alte Studenten besser kennenlernen können. Der Ausdruck „membership training“ wird allerdings ausschließlich von Koreanern benutzt und existiert nicht im Englischen. Man mag vermuten, dass sich diese Ausflüge nicht von den üblichen Treffen mit Mitarbeitern oder Kommilitonen unterscheiden, aber MT Sessions haben einige Besonderheiten.

Die erste Besonderheit ist, dass es sich vielmehr um ein Zusammentreffen von neuen Studierenden beziehungsweise Mitarbeitern handelt, als um eine Begegnung unter engen Freunden.

Außerdem folgen MT Sessions einem klar vorgegebenen Ablaufplan. Dieser beinhaltet oft eine Eröffnungszeremonie, eine Begrüßung, die Formulierung einer Zielsetzung der Veranstaltung und diverse Aufführungen sowie gemeinsames Singen und Trinken.

Der letzte Punkt ist besonders wichtig. Der wichtigste Teil einer MT Session ist das Konsumieren von Alkohol, was durch Trinkspiele zusätzlich gefördert wird. Es wird deshalb oft gesagt, dass MT in Wirklichkeit eine Abkürzung für „drinking and vomiting“, also für „Trinken und sich erbrechen“ ist, da das koreanische Wort für Trinken mit dem Buchstaben „M“ (mashida, 마시다) und das koreanische Wort für Erbrechen mit dem Buchstaben „T“ (tohada, 토하다) beginnt.

Viele Studienanfänger würden die MT Session gerne meiden, da sie oft von älteren Studenten regelrecht zum Trinken gezwungen werden. Weigern sie sich, wird ihnen vorgeworfen, die Stimmung zu ruinieren, und es kann sogar zu körperlichen Bestrafungen kommen. Das Ausmaß ist von Universität zu Universität unterschiedlich, allgemein kann es aber sehr gefährlich werden, wenn junge Menschen zum exzessiven Trinken animiert oder sogar gewzungen werden.

Oft bleiben den neuen Studenten lediglich Erinnerungen an Betrunkene und einen mit leeren Alkoholflaschen und Müll verunstalteten Raum.

Es gibt noch viele Studenten, die MT Sessions unterstützen und sich gegen ein Verbot derselben aussprechen. In einigen Universitäten und Firmen hat man aber inzwischen erkannt, dass sich dieses tief verwurzelte „MT-Verhalten“ ändern muss.

Heutzutage können Studenten deshalb zumeist offen erklären, dass sie nur eine angemessene Menge oder auch gar keinen Alkohol trinken möchten.

Außerdem richten viele Firmen ihre MT Sessions heutzutage anders aus. So gibt es umweltfreundliche Veranstaltungen ohne Alkoholkonsum oder man leistet gemeinsam Freiwilligenarbeit. Bei diesen Ausflügen können neue Freundschaften geschlossen werden, während man etwas Gutes tut. Auf diese Weise bleiben tolle Erinnerungen und das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben, zurück.

Es ist schade, dass es diese Arten von Ausflügen noch nicht in allen Universitäten und Unternehmen gibt, und ich hoffe, dass ihr niemals neue Mitarbeiter oder Kommilitonen zum Trinken zwingt!

 

Kislova Evgeniya lernte die koreanische Sprache am König-Sejong-Institut in Moskau.

 

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