Neue Bahnlinie in Richtung Nordkorea

Die Geumgangsan Mountain Electric Railroad Bridge (Foto: Jeon Han)

Die 4 Kilometer breite Entmilitarisierte Zone (DMZ), die die koreanische Halbinsel teilt, wird durch einen Landstreifen gebildet, der den Süden und Norden der Militärischen Demarkationslinie (MDL) überspannt. Die Zone, die seit dem Koreakrieg (1950-1953) nicht mehr bewohnt wird, ist ironischerweise nun eines der besterhaltenen Ökosysteme der Welt.

In der Vergangenheit war das Gebiet für die Öffentlichkeit vollständig gesperrt, aber seit letztem Frühling hat die Eisenbahngesellschaft Korail ihren DMZ-Zug auf der Gyeongui-Linie eingeführt, der Reisenden die Möglichkeit bietet, einige ökologische Abschnitte der Entmilitarisierten Zone zu sehen. Korail plant die Einführung eines zweiten DMZ -Zugs – die Gyeongwon-Linie – im August dieses Jahres.

Anders als der existierende DMZ-Zug, der zum DMZ-Abschnitt in Gyeonggi-do (Provinz Gyeonggi) westlich Seouls entlang des Flusses Imjingang und zur Station Dorasan fährt, wird der neue DMZ-Zug Touristen zum DMZ-Abschnitt in Cheorwon-gun (Landkreis) und entlang des Flusses Hantangang in Gangwon-do (Provinz Gangwon) befördern.

Die ursprüngliche Gyeongwon-Linie, die eine Länge von 223 Kilometern hatte, wurde 1914 gebaut, um landwirtschaftliche Erzeugnisse von Cheorwon und Meeresfrüchte von Wonsan zu transportieren. Aufgrund des Koreakriegs wurde die Eisenbahnlinie jedoch unterbrochen und ist nun auf 94 Kilometer verkürzt. Sie verbindet Seoul mit der Station Baengmagoji im Landkreis Cheorwon.

Nach Verlassen des Bahnhofs Seoul dauert es etwa zwei Stunden und 20 Minuten, um zum Bahnhof Baengmagoji zu gelangen, dem nördlichsten Bahnhof Südkoreas. Der Name des Bahnhofs stammt von einem kleinen Hügel in Cheorwon, der Schauplatz eines der blutigsten Kämpfe des Koreakriegs war, der Schlacht von Baengmagoji.

Nachdem die Passagiere am Bahnhof Baengmagoji in einen Bus umgestiegen sind, gelangen sie zu einem großen Feld, wo die unterschiedlichsten Vögel die Ruhe genießen. Cheorwon war einst eine große, prosperierende Stadt im Herzen der 35.000 Hektar großen Fläche der Cheorwon-Ebene, auf der riesige Mengen Getreide produziert wurden. Der Krieg verwandelte die Stadt jedoch in Schutt und Asche. Etwa ein Drittel von ihr lag nur zwei Kilometer von der Waffenstillstandslinie entfernt und wurde Teil der DMZ. Die Stadt ist Zeugnis der modernen und zeitgenössischen Geschichte Koreas und Symbol für die Realität einer geteilten koreanischen Halbinsel.

Nach dem Passieren eines Militärpostens trifft der Bus an der Geumgangsan Mountain Electric Railroad Bridge (Kumgang Mountain Electrical Railway Bridge) ein. Diese Brücke wurde 1926 als Teil der Kumgang Mountain Electrical Railway errichtet. Wenn man auf der Brücke steht, sieht man den Fluss Hantangang, der unter der Brücke hindurchfließt. „Die Eisenbahnlinie ist unterbrochen. 90 Kilometer entfernt liegt das Gebirge Geumgangsan“, steht auf einem Schild seitlich der Brücke. Die 117 Kilometer lange Eisenbahntrasse diente während der Kolonialzeit dazu, unterirdische Ressourcen zu befördern. Während des Koreakriegs pflegte Nordkorea seine Kriegsmaterialien auf der Strecke zu transportieren, aber seit dem Waffenstillstand liegt sie nun brach.

Der Bus verlässt die Brücke und trifft nun in einem militärischen Stützpunkt ein, nachdem er einen weiteren Wachposten passiert hat. Nach dem Aufstieg auf einen Hügel stoßen die Besucher auf einen militärischen Beobachtungspunkt. Hier können sie mehr über die Schlacht von Baengmagoji erfahren. Sie kostete beide Seiten rund 20.000 Menschenleben, und das alles, um während des Koreakriegs einen kleinen Hügel zu erobern. Der Hügel wechselte 24 Male den Besitzer. Er erhielt seinen Namen, da er aufgrund des Artilleriefeuers seine ursprüngliche Form verlor. Er sieht aus wie ein liegendes weißes Pferd, Baengma.

Der Bus fährt dann zum Bahnhof Woljeongri, einem kleinen Betriebswerk, wo Eisenbahnmaterial gelagert und umgeladen wurde, bevor der Zug nach Wonsan im heutigen Nordkorea weiterfuhr. Besucher können die Trümmer eines Zugs finden, der von der nordkoreanischen Armee genutzt und von den UN-Streitkräften bombardiert wurde. Die Fenster des Zugs sind in Richtung Himmel gebogen, und Rahmen und Zugwaggons sind schief und rostig.

Trümmer eines Zuges (Foto: Jeon Han)
Trümmer eines Zuges (Foto: Jeon Han)

Das Highlight der Reise ist das Bürogebäude der Nordkoreanischen Arbeiterpartei Cheorwon. Es wurde 1946 von der Nordkoreanischen Arbeiterpartei in einem russischen Architekturstil errichtet. Besucher können nun nur noch die Grundmauern und die Balken des dreistöckigen Gebäudes sehen. Die zerstörte Außenseite zeigt Spuren von Bombeneinschlägen aus Kriegszeiten. Im und um das Gebäude herum wurden auch menschliche Knochen und Folterinstrumente sowie ein Luftschutzkeller gefunden. Das Gebäude hat sich nun zu einem Symbol für Frieden und Hoffnung entwickelt, und es finden dort Veranstaltungen für den Frieden zwischen beiden Koreas statt. Eine solche Veranstaltung, das „Cheorwon DMZ Peace Concert – Concerto for Peace“, fand im Juni 2013 statt, um des 60. Jahrestags des Waffenstillstandsabkommens zu gedenken.

Das Bürogebäude der Nordkoreanischen Arbeiterpartei Cheorwon (Foto: Jeon Han)
Das Bürogebäude der Nordkoreanischen Arbeiterpartei Cheorwon (Foto: Jeon Han)

Cheorwon ist auch Heimat des Cheorwon-Kranichparks, in dem Besucher mehr über die verschiedenen Ökosysteme erfahren können, die in der unbewohnten DMZ zu finden sind, und über das Denkmal für die Schlacht von Baengmagoji, an dem im Oktober jeden Jahres Gedenkveranstaltungen stattfinden. Besucher von Cheorwon können auch sehen, wie wohlhabend die Stadt in der Vergangenheit, vor dem Krieg, war, indem sie die Standorte des Zentrums für die Inspektion landwirtschaftlicher Produkte Cheorwon, das Haus zur Lagerung von Eis Cheorwon und den Finanzverbund Cheorwon besichtigen. Sie alle erinnern an die frühere Prosperität der von Landwirtschaft geprägten Stadt.

Viele Touristen besuchen heute Cheorwon, um Vögel zu beobachten, da die Stadt als Paradies für Zugvögel bekannt ist. Eine Vielzahl an Vögeln ziehen in Scharen zu den Naturgebieten der Stadt, einschließlich einiger seltener Arten, die vom Aussterben bedroht sind, darunter bestimmte Arten von Kranichen, Gänsen, Adlern und Schwänen. Als Teil seines umweltfreundlichen Image wird in Cheorwon jeweils am 1. Januar eine Veranstaltung für Vogelbeobachtung durchgeführt.

Korails DMZ-Zug der Gyeongwon-Linie wird ab August dieses Jahres einmal täglich verkehren. Der Zug fährt um 9.27 Uhr am Bahnhof Seoul ab und trifft um 11.44 Uhr am Bahnhof Baengmagoji ein. Vom Bahnhof Baengmagoji können Besucher wählen, ob sie an einer Tour zum Thema Sicherheit oder an einer Stadtrundfahrt durch Cheorwon teilnehmen wollen, jeweils mit besonderen Reisebussen.

Der Zug fährt vom Bahnhof Baengmagoji um 16.06 Uhr nach Seoul zurück und trifft am dortigen Bahnhof um 18.35 Uhr ein. Eine einfache Fahrt kostet an Wochentagen 12.400 koreanische Won und an Wochenenden 12.800 koreanische Won (für Erwachsene). Der Preis für eine Hin- und Rückfahrkarte beträgt 23.000 koreanische Won.

Weitere Informationen über die Zugreise sind auf der Homepage von Korail in englischer, japanischer und chinesischer Sprache verfügbar: http://www.letskorail.com/ebizprd/EbizPrdTrainDMZIntro_info.do

Zugbegleiterinnen des DMZ-Zugs (Foto: Jeon Han)
Zugbegleiterinnen des DMZ-Zugs (Foto: Jeon Han)

Zurück