„Ode an meinen Vater” porträtiert Koreas jüngste Vergangenheit

Foto: Ode to My Father Facebook
Foto: Ode to My Father Facebook

Der Film „Ode an meinen Vater“ erwärmt in diesen Tagen die Herzen vieler Menschen in der koreanischen Gesellschaft - insbesondere jetzt, wo es auf das Jahresende zugeht.

Schauplatz des Films ist das Korea der 1950er bis 1980er Jahre. Am 24. Dezember dieses Jahres, acht Tage, nachdem der Film in den Kinos anlief, konnte er bereits mehr als 2,3 Millionen Ticketverkäufe verbuchen, und entwickelte sich so zum meistgesehenen Film Koreas in dieser Woche. Das realistische Porträt von Leben und Gesellschaft in den damaligen Zeiten wird als Schlüssel für seinen Erfolg betrachtet.

Obwohl die Handlung fiktiv ist, hat sie die Sympathien aller Zuschauer gewonnen, da sie auf Fakten basiert. Der Film beginnt mit der Heungnam-Evakuierung im Dezember 1950 während des Koreakriegs (1950-53). Die UN-Streitkräfte mussten aufgrund einer Großoffensive von Nordkorea und China einen großangelegten Rückzug aus Hamheung in Hamgyeongnam-do (Provinz Süd-Hamgyeong) antreten. Die Familienmitglieder des Protagonisten, Deoksu, gelingt mit Mühe die Flucht vom Hafen Heungnam vor dem kommunistischen Regime in den Süden.

Tausende von Koreanern wurden vo ihren Familienangehörigen getrennt, als sie sich für die Evakuierung auf US-Marineschiffe begaben. Deoksu war keine Ausnahme. Als er das Schiff bestieg, verlor er seine jüngere Schwester und seinen Vater aus den Augen.

Nachdem er mit dem Rest seiner Familie ohne Geld nach Busan gelangt, übernimmt er jede Arbeit, um zu überleben, und wohnt in der Nähe des Gukje-Markts. Um seine Mutter und Geschwister in den 1960er Jahren zu unterstützen, geht Deoksu nach Deutschland, um dort als Bergarbeiter zu arbeiten. Während seines Drei-Jahres-Vertrags schuftet er unermüdlich und kommt mit einem großen Geldbetrag zurück, den er in dieser Zeit ansparen konnte. Während seines Aufenthalts in Deutschland hat er eine koreanische Frau getroffen, die dort als Krankenschwester arbeitete. Die beiden heiraten. Dank seiner Ersparnisse gelingt es ihm, ein Haus zu kaufen und als Ernährer die wirtschaftliche Grundlage für seine Familie zu sichern.

In der Tat war Deutschland damals für viele junge Menschen in Korea ein Ort der Sehnsucht. Viele koreanische Männer und Frauen in ihren Zwanzigern gingen dorthin, um als Bergarbeiter, Krankenschwestern und Krankenschwesternhelferinnen zu arbeiten. Vom 21. Dezember 1963 bis in die späten 1970er Jahre arbeiteten laut der Vereinigung koreanischer Arbeitskräfte, die als Bergarbeiter und Krankenschwestern nach Deutschland entsandt wurden, insgesamt 7936 koreanische Bergarbeiter und 11.057 Krankenschwestern und Krankenschwesternhelferinnen in deutschen Bergwerken und Krankenhäusern.

In den frühen 1970er Jahren verlässt Deoksu erneut sein Heimatland. Dieses Mal geht er nach Vietnam, um Geld für die Hochzeit seiner Schwester zu verdienen. Er arbeitet beim Nachschub Seite an Seite mit koreanischen Soldaten, die dort kämpfen. In Vietnam wird er ins Bein geschossen und behält für den Rest seines Lebens eine Behinderung. Nach seiner Rückkehr nach Hause ernährt er seine Familie, indem er einen Laden betreibt, der auf dem Gukje-Markt Importgüter verkauft.

Auch wenn die Handlung nicht auf einer einzigen wahren Geschichte basiert, haben die dargestellten Erfahrungen des Koreakriegs und der Arbeit in Deutschland und im Vietnamkrieg die Sympathien vieler Zuschauer geweckt, insbesondere derjenigen, die nun in ihren späten Sechzigern und Siebzigern sind. Sie alle haben die gleichen historischen Erfahrungen gemacht.

Das Wiedersehen der auseinandergerissenen Familienmitglieder in den 1980er Jahren bildet den Abschluss des Films, als Deoksu bei einer Live-Übertragung des Fernsehsenders KBS seine jüngste Schwester wiedertrifft, von der er bei der Evakuierung des Hafens von Heungnam getrennt wurde. Die Live-Übertragung des Wiedertreffens getrennter Familienmitglieder fand damals tatsächlich statt. Die Szene gibt die Stimmung der damaligen Zeit perfekt wieder.

Regisseur Yoon Je-kyoon erklärte die Absicht seiner Produktion folgendermaßen: „Dieser Film ist der Generation unserer Väter gewidmet, die in Zeiten von Härte, Erschöpfung und Intensität ihr Leben bis zum Äußersten opferten. Auch wenn er auf der Geschichte einer Familie basiert, wird dieser Film vermutlich viele weitere Kinoliebhaber anziehen, da er Koreas moderne Geschichte wie Krieg, die Arbeit im Ausland und das Wiedersehen geteilter Familien thematisiert.“



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