Papst Franziskus: „Alle Koreaner sind Brüder und Schwestern“

Papst Franziskus feierte zum Ende seiner fünftägigen Korea-Reise am 18. August in der Myeongdong-Kathedrale Seoul eine Messe für Frieden und Versöhnung (Foto mit freundlicher Genehmigung des Vorbereitungskomitees für den Besuch des Heiligen Vaters).

Im Vorfeld der Messe begrüßte der Papst die überlebenden Opfer sexueller Versklavung, die während des Zweiten Weltkriegs von japanischen Soldaten zur Prostitution gezwungen worden waren und spendete ihnen Trost. Er sprach einige Minuten mit den überlebenden Frauen, die alle in Rollstühlen in der ersten Reihe saßen und fand tröstende Worte. Eine von ihnen, die 89-jährige Kim Bok-dong, überreichte dem Heiligen Vater eine kleine Anstecknadel in Gestalt eines Schmetterlings, die er sich sofort anheftete.

Bevor er auf das Podium vor die Massen trat, reichte der Papst anderen Außenstehenden der koreanischen Gesellschaft die Hand - darunter Arbeiter, die von dem Autohersteller Ssangyong Motor kürzlich entlassen worden waren. Auch Bewohner aus Miryang, Gyeongsangnam-do (Provinz Süd-Gyeongsang), waren unter ihnen, die gegen den Plan des staatlichen Stromkonzerns, Hochspannungsübertragungstürme in ihrer Stadt zu bauen, protestiert hatten. Einheimische der Stadt Gangjeong auf der Insel Jeju waren ebenfalls unter denjenigen, denen sich der Papst zuwandte. Sie hatten gegen den Bau einer dortigen Marinebasis protestiert. Auch einigen Behinderten galt die Aufmerksamkeit des Papstes.

Eine aus Priestern, Nonnen und gewöhnlichen Gläubigen bestehende Gruppe aus Nordkorea war zu der Messe eingeladen. „Während des Krieges war die Mehrheit nordkoreanischer Priester Seminaristen in den Diözesen von Pjöngjang, Wonsan und Hamheung. Da sie aus dem Norden vertrieben wurden, leben sie heute in Südkorea“, erklärte ein Vertreter der römisch katholischen Kirche von Korea.

„Die meisten dieser Nonnen sind 90 Jahre alt oder älter“, sagte Pfarrer Jang Geung-seon aus der Diözese von Pjöngjang, der an diesem Tag eine Gruppe nordkoreanischer Flüchtlinge leitete.

Der Papst sprach vom Altar und plädierte leidenschaftlich für Vergebung, indem er sagte: „Vergebt unseren Brüdern vorbehaltlos.“

„St. Peter fragt den Herrn: ‚Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich mir gegenüber sündhaft verhält? Sogar sieben Mal?‘, woraufhin der Herr antwortet: ‚Nicht sieben Mal, sage ich dir, sondern 70 Mal‘“, sagte der Pontifex.

„Dieses Beispiel enthält die von Jesus übermittelte Kernbotschaft von Frieden und Versöhnung“, sagte er. „Mit der Aufforderung, unseren Brüder vorbehaltlos zu vergeben, bittet er uns, etwas äußerst Radikales zu tun. Das ist die Botschaft, die ich euch mit der Beendigung meiner fünftägigen Reise nach Korea überbringe.“

Kirchgänger verfolgen die Predigt von Papst Franziskus während einer Messe für Frieden und Versöhnung in der Myeongdong-Kathedrale in Seoul am 18. August (Foto mit freundlicher Genehmigung des Vorbereitungskomitees für den Besuch des Heiligen Vaters).

„Lassen Sie uns beten für die Entstehung neuer Gelegenheiten des Dialogs und der Begegnung und für die Aufhebung von Differenzen, für die immerwährende Großzügigkeit in Bezug auf die Bereitstellung humanitärer Hilfe für Menschen in Not und für eine noch größere Anerkennung der Tatsache, dass alle Koreaner Brüder und Schwestern sind, Mitglieder einer Familie, eines Volkes“, sagte er.

Präsidentin Park Geun-hye nimmt am Abschlussgottesdienst von Papst Franziskus teil (Foto: Cheong Wa Dae)

Präsidentin Park Geun-hye besuchte den Abschlussgottesdienst des Papstes. Bei der anschließenden Begegnung mit dem Papst dankte ihm die Präsidentin für „diese großartige Messe für Frieden und Versöhnung auf der koreanischen Halbinsel“ und wünschte ihm eine sichere Heimreise.

„Ich danke Ihnen für Ihre Teilnahme an der heutigen Messe und dafür, dass Sie mir während meines Aufenthaltes so viel Gastfreundschaft entgegengebracht haben“, antwortete der Papst. „Ich bin dankbar, dass Sie mir so viele Annehmlichkeiten haben zuteilwerden lassen und all die komfortablen Transportmittel bereitgestellt haben. Ich freue mich darauf, Sie in Rom zu treffen“, sagte er und lud die Präsidentin zu einem baldigen Besuch in die Vatikanstadt ein. Dann übergab ihr der Papst eine Erinnerungsmedaille und einen Rosenkranz.

Statt der normalen Beendigung einer Messe mittels Hymne, sangen die Teilnehmer „Our Wish is Reconciliation” (‚Unser Wunsch ist Versöhnung‘) – ein Lied, das zur Versöhnung zwischen beiden Koreas aufruft.

Unmittelbar vor der Messe hatte der Pontifex Zeit für ein kurzes Treffen mit den Leitern von 12 führenden religiösen Orden, darunter Ven. Jaseung, Leiter des Jogye-Ordens des koreanischen Buddhismus, Rev. Kim Yeong-ju, Leiter des Nationalen Kirchenrates der Kirchen in Korea, und Ven. Kyungsan, Leiter Dharma Meister des Won-Buddhismus.

„Das Leben ist ein Pfad, ein Pfad, den niemand alleine gehen kann”, sagte der Papst auf Spanisch zu den Ordensleitern. „Ich glaube, dass wir zusammen mit anderen Brüdern und Schwestern in Gottes Gegenwart gehen müssen. Deshalb bin ich aufrichtig dankbar für all die Repräsentanten der verschiedenen Religionen. Es ist ein Pfad, den wir zusammen gehen“, sagte der Pontifex.

„Es ist der Pfad, den Abraham ging, um in der Gegenwart Gottes nach Gott zu greifen. Wir sind Brüder. Lasst uns einander anerkennen und zusammen gehen. Ich danke Ihnen allen“, sagte der Papst und bat die Ordensleiter, für ihn zu beten.

Papst Franziskus spricht am Ende seiner fünftägigen Korea-Reise auf dem Flughafen von Seoul am 18. August mit Premierminister Chung Hongwon (Foto: Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus).

„Es war ein kurzer Aufenthalt, aber Papst Franziskus hat mit seinem großherzigen Charakter der Demut Frieden und Liebe zu den Menschen auf der koreanischen Halbinsel gebracht“, sagte Premierminister Chung Hongwon, der zum Flughafen Seoul in Seongnam, Gyeonggi-do (Provinz Gyeonggi) gekommen war, um den Papst zu verabschieden. „Ihre Botschaft – ‚Wir gewinnen nichts durch Gewalt und Konflikt und nur der Frieden bringt uns alles‘ – bedeutet uns allen sehr viel. Bitte beten Sie für Versöhnung und eine friedliche Wiedervereinigung von Süd- und Nordkorea“, sagte der Premierminister.

Der Papst entgegnete: „Ich bete, dass Gott die Würde des Landes weiterhin schützen möge. Ich wünsche mir, dass sich die gegenwärtige künstliche Teilung zu einer Einheit entwickeln wird und dass es bald eine friedliche Vereinigung geben wird. Das ist eine Hoffnung und ein Versprechen.“

Diese letzte Botschaft überbrachte der Papst nach seinem Abflug aus dem Flugzeug. „Ich bete wieder für Frieden und Glück auf der koreanischen Halbinsel. Möge Gott Sie alle segnen.“

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