Seouls U-Bahnsystem

Daria Todorova

Von Daria Todorova

Das Unternehmen, für das ich arbeite, führt ein gemeinsames koreanisch-russisches Projekt durch, weshalb ich eine Geschäftsreise nach Seoul unternahm. Da es das erste Mal seit Langem war, dass ich Seoul wieder besuchte, dachte ich über viele Dinge nach, wie zum Beispiel das koreanische U-Bahnsystem.

Vor Kurzem las ich einen Onlineartikel über die weltbesten U-Bahnsysteme. U-Bahnsysteme der ganzen Welt wurden in Bezug auf Komfort und Annehmlichkeit eingestuft, und Seoul belegte den ersten Platz dieses Rankings.

Obwohl ich nicht sicher bin, ob der Artikel verlässlich ist, da er in einem Automagazin veröffentlicht wurde, stimme ich ihm voll und ganz zu. Ich werde heute darüber sprechen, was toll und was weniger toll an Seouls U-Bahnsystem ist.

Zuallererst ist die Seouler U-Bahn sehr bequem und gut organisiert. Viele Stationen sind nicht nur mit Rolltreppen, sondern auch mit Aufzügen ausgestattet, für welche vor allem Menschen mit Behinderung und Ältere dankbar sind.

In fast allen Stationen findet man außerdem Toiletten, die jedem kostenlos zur Verfügung stehen, da sie sich sowohl vor als auch hinter den Drehkreuzen befinden – ein weiterer Pluspunkt. Stationen mit Toiletten hinter den Drehkreuzen sind zusätzlich auf der U-Bahnkarte markiert.

Um die Drehkreuze zu passieren, benötigt man natürlich eine Fahrkarte. Diese kann entweder an den dafür vorgesehenen Automaten in den Stationen oder in den kleinen Bedarfsartikelgeschäften erworben werden. Diese Karte lässt sich mit Bargeld aufladen. Viele laden direkt etwas mehr Geld auf die Karte, um zu vermeiden, dass sie sie bei jeder Fahrt neu aufladen müssen. Es lässt sich aber auch eine Fahrtkarte für den einmaligen Gebrauch erwerben. Der Fahrtpreis ändert sich je nach zurückgelegter Distanz, was im Vergleich zu Moskau etwas teuer erscheint, da es dort einen festen Fahrtpreis gibt. Außerdem gibt es keine Ermäßigung wenn man eine bestimmte Anzahl von Umstiegen überschreitet. Einen Rabatt gibt es nur mit der elektronisch aufladbaren Fahrkarte -beispielsweise, wenn man von der U-Bahn in einen Bus umsteigt.

Geht man durch das Drehkreuz zum Bahnsteig, findet man Glasschiebetüren vor den Gleisen. Diese sollen Menschen davor bewahren, auf die Gleise zu fallen oder zu springen und schaffen somit ein Gefühl der Sicherheit.

Das koreanische U-Bahnsystem macht allerdings den Anschein, nicht gut auf mögliche Terroranschläge vorbereitet zu sein. In Russland findet man in fast allen Stationen einen Sicherheitsstand zum Thema Terrorismus. Diese oder ähnliche Einrichtungen findet man in Seoul nicht, was bei mir den Eindruck erzeugt, dass der Seouler U-Bahn wichtige Sicherheitsmaßnahmen fehlen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass koreanische U-Bahnen noch nie wirklich Terrorismus ausgesetzt waren.

Das Beste an Koreas U-Bahnen offenbahrt sich, wenn sich die Schiebetüren öffnen und man die Bahn betritt: Die Klimaanlage. Im Winter bleibt man dank ihr schön warm, und im Sommer bietet die U-Bahn für ein paar Minuten Schutz vor der Hitze. Die Waggons sind verglichen mit denen anderer Länder leise, was für zusätzlichen Komfort sorgt. Noch besser finde ich, dass man sein Handy sogar in der U-Bahn benutzen kann, denn auch dort ist die Verbindung klasse.

In Russland ist es schwieriger, sein Handy während der Fahrt zu benutzen. Im Vergleich zu Moskau ist Seouls U-Bahnsystem wirklich sehr komfortabel. Man hat sogar Zugriff auf W-Lan, auch wenn dieser begrenzt ist. Um es zu nutzen, muss man allerdings entweder Mitglied eines bestimmten Kommunikationsunternehmens sein oder eine sehr komplizierte Prozedur durchlaufen. Das ist mir allerdings nur negativ aufgefallen weil der Zugriff auf Wlan in Russland frei und deutlich einfacher ist und hat mich kaum gestört.

Es scheint allerdings so, als würde auch diese winzige Unannehmlichkeit in 2017 beseitigt werden. Ich habe gehört, dass Seouls Stadtverwaltung derzeit an der Verbesserung des W-Lan-Services im U-Bahnsystem arbeitet. Das Beste an Seouls U-Bahn ist deshalb vielleicht nicht der Komfort, sondern vor allem das ständige Bemühen um die Verbesserung des Systems.

 

Daria Todorova unterrichtet Koreanisch am König-Sejong-Institut in Moskau.

Übersetzt von Chang Iou-chung, Redaktion Korea.net

Zurück