Utopien in ostasiatischen Landschaftsmalereien

„Ode an die Rückkehr nach Hause", Yuan-Dynastie (14. oder 15. Jhdt.) (Foto: Koreanisches Nationalmuseum)
„Ode an die Rückkehr nach Hause", Yuan-Dynastie (14. oder 15. Jhdt.) (Foto: Koreanisches Nationalmuseum)

Ein zerklüfteter Berggipfel aus großen, einschüchternden Felsen ragt in den Himmel, während ein Binnenschiffer gemächlich ein kleines Boot rudert, das einen hohen Baum mit dickem Stamm am Ufer passiert.

Eine solche Szene in Landschaftsmalereien strahlt eine bemerkenswerte Ruhe und einen bemerkenswerten Frieden aus, und sie lässt die Sommerhitze für einen Augenblick vergessen. Diese Art von Utopien, die man in Landschaftsmalereien findet, sind eins der beliebtesten künstlerischen Motive der Menschheit, unabhängig von Zeit und Ort. In Ostasien symbolisiert die Landschaft eine Idealwelt mit hohen geistigen Werten und wird als Ort betrachtet, an dem die Menschen einen tugendhaften Charakter entwickeln und Frieden und Wohlstand genießen.

Eine Sonderausstellung zum Thema „Utopien in ostasiatischen Landschaftsmalereien" findet zurzeit im Koreanischen Nationalmuseum im Bezirk Yongsan, Seoul, statt. Die Ausstellung „Landscapes: Seeking the Ideal Land” (,Landschaften: die Suche nach dem idealen Land‘) zeigt 109 Werke aus Museen in aller Welt, darunter viele aus der Sammlung des Koreanischen Nationalmuseums sowie aus der Sammlung des Metropolitan Museum of Art in New York, des Museums Shanghai und des Nationalmuseums Kyoto.

 

„Endlose Berge und Flüsse“ von Yi Inmun (Foto: Koreanisches Nationalmuseum)
„Endlose Berge und Flüsse“ von Yi Inmun (Foto: Koreanisches Nationalmuseum)

Insbesondere das 8,5 Meter breite Bild „Endlose Berge und Flüsse” von Yi Inmun (1745-1821) und „In der Natur zu sein ist besser, als ein offizielles Amt innezuhaben” von Kim Hongdo (1745-ca. 1810) zeigen, wie Gelehrte des Joseon-Reiches (1392-1910) von einer Utopie träumten und wie diese in Landschaftsmalereien beschrieben wurde.

Bei 42 Werken handelt es sich um Landschaftsmalereien aus China und Japan. Unter den Werken berühmter chinesischer Landschaftsmaler sind auch einige von Wen Zhengming (1740-1559) und Dong Qichang (1555-1636). Das Werk „Ode an die Rückkehr nach Hause“, das Tao Yuanming (365-427) zeigt, einen Dichter der Östlichen Jin-Dynastie, der nach Hause zurückkehrt, nachdem er seinen Regierungsposten aufgegeben hat, ist eines der berühmtesten chinesischen Gemälde aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art. „Pfirsichblütenfrühling von Wuling“ von Tamioka Tessai (1837-1924) aus einer Sammlung des Nationalmuseums Kyoto besteht aus zwei Gemälden, die auf einen Paravent aufgetragen wurden.

Die Ausstellung ist thematisch geordnet. Der erste Teil behandelt die populärsten Themen von Landschaftsmalereien, „Die acht Anblicke der Flüsse Xiao und Xiang“, wo die rustikale Szenerie des traditionellen China idealisiert wird. Das Gemälde besteht aus acht Szenen aus der Provinz Hunan, China, in der die Flüsse Xiao und Xiang in den See Dongting münden. Das Konzept der „acht Anblicke“ hat zu einer Strömung unter Malern geführt, acht landschaftliche Schönheiten in einem einzigen Werk zu vereinen.

Der zweite Teil der Ausstellung konzentriert sich auf Gemälde, die von „Neun Bächen am Berg Wuyi” inspiriert sind, ein idealisierter Ort, an dem sich weise Männer aufhalten sollen. Diese Gemälde stellen neun Bäche in den Tälern des Berges Wuyi in China dar, wo Zhu Zi, ein konfuzianistischer Gelehrter der Song-Dynastie, der zu einer Leitfigur des Neokonfuzianismus aufstieg, einst gelebt haben soll. Das Gemälde war im Korea der Joseon-Ära sehr populär, in dem der Neokonfuzianismus mehr oder weniger zur offiziellen Doktrin erhoben wurde.

Der dritte Teil der Ausstellung besteht aus einer Sammlung von Landschaftsmalereien, die eine ideale Gesellschaft widerspiegeln, wie sie von den Gelehrten der Joseon-Ära des 18. Jahrhunderts erträumt wurde. „Endlose Berge und Flüsse“ von Yi Inmun stellt eine Utopie dar, in der die Öffentlichkeit verantwortungsvoll ihre Pflichten ausübt, während der tugendhafte König das Land regiert. Es ist eine idealisierte Gesellschaft, wie sie sich konfuzianistische Gelehrte erträumen.

Im vierten Teil der Ausstellung wird das Leben von Gelehrten porträtiert, die die materielle Welt hinter sich lassen und Zuflucht in der Natur suchen. Die menschliche Verkörperung eines solchen Lebens, Tao Yuanming (365-427), schrieb über die Freuden der Heimkehr und der Wiederaufnahme des alten Lebens. Die Gemälde mit dem Titel „Ode an die Rückkehr nach Hause“ handeln vom Leben Taos. „In der Natur zu sein ist besser, als ein offizielles Amt innezuhaben“ von Kim Hongdo (1745- ca. 1810) ist ein aus acht Elementen bestehender Paravent, der, wie der Titel erklärt, schöne Ansichten der Natur darstellt, die sich durch nichts in der Welt ersetzen lassen, auch nicht durch einen Regierungsposten.

Im fünften Teil der Ausstellung wird die Art von Paradies vorgestellt, nach dem im Taoismus gesucht wurde. „Der Pfirsichblütenfrühling“, entstanden im Jahr 412, zeigt, dass viele Taoisten nach einem bescheidenen Leben strebten.

„Die aktuelle Ausstellung ist eine Sammlung berühmter Landschaftsmalereien aus Museen in aller Welt“, sagte Kim Young-na, Direktorin des Koreanischen Nationalmuseums. „Wenn ich auf die idealisierte Welt schaue, die Menschen in ganz Ostasien in ihren Malereien porträtierten, hoffe ich, dass dies eine Chance sein wird, über Utopien in unserer modernen Welt nachzudenken.“

„Paradies" (1937) von Baek Nam-sun (Foto: Jeon Han)
„Paradies" (1937) von Baek Nam-sun (Foto: Jeon Han)

Die Ausstellung läuft bis zum 28. September. Der Eintritt ist kostenlos. Am 20. August und am 3. September wird es Vorträge in koreanischer Sprache über die ausgestellten Kunstwerke geben.

Für weitere Informationen rufen Sie bitte die Nummer (02) 2077-9000 an, oder besuchen Sie die Homepage des Museums: http://www.museum.go.kr/site/main/index002.

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