Zwischenbericht von einer Weltumseglung mit der Yacht

Segler Kim Seung-jin (Foto: Korea.net)
Segler Kim Seung-jin (Foto: Korea.net)

Segler Kim Seung-jin stieg am 18. Oktober auf seine 13 Meter lange Yacht, die Arapani, um ein weltweites Segelabenteuer zu starten, ohne an irgendeinem Hafen einen Zwischenstopp einzulegen. Er verlässt sich beim Fahren allein auf den Einsatz von Windkraft. Kim begann die Reise mit den Worten, dass sie vielen Menschen in aller Welt eine Botschaft der Hoffnung vermitteln werde.

Bis zum 24. November hatte er bereits mehr als 3000 Kilometer südlich und östlich Koreas zurückgelegt und befindet sich nun auf seiner Reise östlich um den Globus nicht weit von Kosrae, einer Insel der Föderierten Staaten von Mikronesien.

Seit Beginn seiner Reise ist etwas über einen Monat verstrichen. Nun sprachen Journalisten des Korea.net, der Website der koreanischen Regierung, mit ihm über Satellitentelefon, um mehr über seinen gegenwärtigen Zustand und seine zukünftigen Pläne zu erfahren. Er antwortete mit einer optimistischen und gut gelaunten Stimme und klang sogar munterer als vor seiner Abfahrt.

Es ist nun mehr als ein Monat seit Beginn Ihrer Reise vergangen. Sie haben bereits Japan passiert, sind in den Pazifischen Ozean eingefahren und befinden sich nun in der Nähe der Föderierten Staaten von Mikronesien. Anscheinend läuft alles nach Plan… .

Im Moment bin ich in der Nähe von Nauru, das bekannt für seine Phosphatfelsen ist und auf ungefähr 161 Grad östlicher Breite liegt. Auch bin ich etwa drei Grad vom Äquator entfernt.

Heute bin ich in ein windstilles Gebiet eingefahren und habe den ganzen Tag dort festgesessen. So war es ein sehr ruhiger und friedlicher Tag. Ich habe Bindaetteok gemacht, einen Mungbohnenpfannkuchen, und bin ins Meer abgetaucht. Ich bin in einem gigantischen Swimmingpool geschwommen, der 3700 Meter tief ist.

Wie regeln Sie Ihre tägliche Routine? Und wie gelingt Ihnen das Schlafen?

Es ist sehr schwierig, tief zu schlafen. Ich muss immer prüfen, wo das Boot hinsteuert.Es ist normal für mich, zwischen 30 Minuten und einer Stunde zu schlafen. Ich habe ein Maximum von zwei Stunden geschlafen, als es einmal keine Wellen gab.

In der letzten Nacht konnte ich kaum ein Auge zumachen. Ich passierte ein Gebiet mit einer Mischung aus Wind, Regen und Donner. Es war der bislang härteste Teil meiner Reise. Normalerweise lassen sich diese Gebiete in zehn oder 20 Minuten durchsegeln, aber in der letzten Nacht dauerte es etwa zwei Stunden. Der Wind hatte eine Geschwindigkeit von etwa 35 Knoten. Ich war müde.

Wie fühlen Sie sich, da Sie nun nach diesen Turbulenzen in einem ruhigen Gebiet sind?

Ich treibe jetzt im Meer, gucke auf die weit entfernten Wolken und warte darauf, dass mehr Wind kommt. Ich brauche Wind, damit meine Yacht fährt. Heute Nacht wird der Wind wieder zu wehen beginnen. Ich sollte mich jetzt darauf vorbereiten.

Abenteurer Kim Seung-jin (Mitte) bei seinem Aufbruch im Oktober 2014 vom Hafen Waemokhang (Foto: Korea.net)
Abenteurer Kim Seung-jin winkt, als er im Oktober 2014 vom Hafen Waemokhang aufbricht (Foto: Korea.net).

Wir haben gehört, dass Ihr Navigationslicht kaputtgegangen ist und dass Sie ohne Ersatzlichter fahren. Wie gehen Sie damit um?

Ich fahre einfach ohne sie. Lichter zeigen anderen Schiffen an, dass meine Yacht da ist.Ich schalte das Hauptlicht oben auf meinem Mast ein, wenn ich das Alarmsignal erhalte, dass ein anderes Schiff in meiner Nähe ist. Seit mehr als zehn Tagen habe ich allerdings nichts anderes als Wellen um mein Boot herum gesehen.

Was hat Sie dazu veranlasst, diese Herausforderung einer Weltumseglung auf sich zu nehmen?

Ich persönlich genieße Dinge, die mich anregen und nervös machen. Es war mein lang gehegter Traum, seitdem ich das Segeln gelernt habe. Viele Leute haben mir erzählt, dass sie Träume haben und gern meinen Weg weiterverfolgen wollen. Das gibt mir eine enorme Energie.

Kontaktieren Sie oft Ihre Zentrale? Welche Ratschläge oder ermutigenden Botschaften haben Sie von dort erhalten?

Ich spreche täglich mit der Zentrale, um neueste Wettervorhersagen zu erhalten. Dank ihrer Hilfe ist es mir gelungen, bislang die großen windstillen Gebiete zu vermeiden. Aber von dort erhalte ich nicht nur Informationen über Wetterprognosen. Die Zentrale übermittelt mir auch Botschaften, die meine Fans geschickt haben. Das berührt mich. Ich habe das Gefühl, mit ihnen zusammen zu reisen. Es ist wirklich bedauerlich, dass ich es mir nicht leisten konnte, Ausrüstung fürs Fotografieren und Filmen zu kaufen, sodass ich ihnen kein lebendiges Foto- und Filmmaterial schicken kann, wie ich auf dem Meer lebe. Schließlich würde ich gern meine Geschichte mit ihnen teilen.

Wir fragen uns, woran Sie denken, während Sie den ganzen Tag segeln... .

An sehr viele unterschiedliche Dinge. An alte Erinnerungen, an die Familie, Freunde und Bekannte. Letzten Endes denke ich immer an die Menschen, die mir nahestehen, besonders an meine Familie.Diese Menschen sind wie Luft und Wasser, da wir sie gewöhnlich als selbstverständlich hinnehmen.

Foto: Korea.net
Kims Yacht Arapani (Foto: Korea.net)

Es ist bestimmt schwierig, dass Sie alles allein machen müssen. Hier zu Hause gibt es allerdings viele Leute, die sich Sorgen über ihre wirtschaftliche Situation machen, ihre Arbeitsstelle oder ihre Rente. Was würden Sie diesen Leuten gern sagen?

Die Welt und das eigene Leben können wirklich unterschiedlich wahrgenommen werden, je nachdem, welchen Blickwinkel man hat und wie man darüber denkt. Das Leben hat sicher seine Aufs und Abs. Wie Sie Ihre schlechten Tage verbringen, entscheidet sehr stark darüber, wie viel Selbstvertrauen Sie verspüren. Auch ich habe viele Niederlagen erlebt. Ich habe mein eigenes Geschäft an die Wand gefahren und wirtschaftlich schwere Zeiten erlebt. Als Person, die Niederlagen kennt, würde ich ihnen gern sagen, dass die Welt ein lebenswerter Ort ist.

Ich schaue in den Himmel und sehe jeden Abend die Sterne. Wir sollten wissen, dass es ein großes Glück ist, auf der Erde geboren zu sein, auf einer riesigen Fläche, die zum Teil voller Wasser ist. Ich hoffe, dass die Leute ihr Leben genießen.

Was möchten Sie als erstes tun, wenn Sie Ihre Yacht verlassen?

Ich kann mein Essen nicht an einem Tisch zu mir nehmen, während ich an Bord bin, weil die See fast immer stürmisch ist. Meistens mische ich Reis und Suppe in einer Schüssel mit einem Griff. Wenn ich wieder an Land gehe, hätte ich gern ein hausgemachtes Essen. Auch würde ich gern mit meiner Familie in einem Zimmer schlafen.

Voraussichtlich werden Sie im Mai nächsten Jahres nach Korea zurückkehren. Mit welchem Zeitplan rechnen Sie für den Rest Ihrer Reise?

Soweit habe ich erst den Anfang meiner Strecke zurückgelegt. In ein paar Tagen werde ich den Äquator Richtung Süden überqueren und dann in den Südpazifik einfahren und die Taifunzeit erleben. Auch werde ich dann das Kap Hoorn im Süden von Chile passieren – dies wird der schwierigste Teil meiner Reise sein. Ich habe noch eine weite Strecke zu bewältigen. Es wird viele schwierige Zeiten geben, aber ich bin mir sicher, dass ich es schaffen kann.

 

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