Yoon Jin-sung: „Das Schauspielerdasein wirft endlose Fragen über das Leben auf”

Die Schauspielerin Yoon Jin-sung (Foto: Jeon Han)
Die Schauspielerin Yoon Jin-sung (Foto: Jeon Han)

Für Bühnenschauspielerin Yoon Jin-sung ist nichts schöner oder leichter, als vor Publikum auf der Bühne aufzutreten.

Erstmalig stand die 43-Jährige im Rampenlicht, als sie an der Universität war. Eine ihrer Freundinnen überredete sie, sich der dortigen Theatergruppe anzuschließen. Damals studierte Yoon Koreanische Sprache und Literatur im Hauptfach, nicht Darstellende Künste.

„Früher hätte ich niemals damit gerechnet, dass ich eines Tages Schauspielerin sein würde“, sagte Yoon. „Das erste Mal, als ich auf der Bühne stand und alle Augen auf mich und mein schauspielerisches Können gerichtet waren, genoss ich all die Aufmerksamkeit und war begeistert.“

Nach ihrem Studienabschluss erhielt sie eine Anstellung in einem privaten Nachhilfeinstitut und unterrichtete Oberschüler in koreanischer Sprache und Literatur. Die junge Lehrerin, deren Talente weiterhin im Verborgenen blieben, erkannte, dass das Unterrichten nicht zu ihr passte.

Es gelang ihr nicht, das Gefühl der Begeisterung zu vergessen, das sie auf der Bühne empfand. Sie ging zurück an die Universität, und im Alter von 26 Jahren erhielt sie schließlich eine Zulassung für die Korea National University of Arts.

„Mir wurde allmählich bewusst, dass die Schauspielerei das ist, was ich am besten kann, was ich mit der größten Leichtigkeit tue, und was ich liebe”, sagte sie. „An einem bestimmten Punkt hatte ich das Gefühl, dass die Beherrschung der Schauspielerei bis zur Perfektion mehr sein müsse, als nur ,Talent‘ zu haben, und ich beschloss, an die renommierte Universität [die Korea National University of Arts] zu gehen.“

Nach ihrem Abschluss im Jahr 2000 gründete sie zusammen mit fünf ihrer Mitstudenten das TUIDA-Theaterensemble. Die Gruppe hat seitdem viele Stücke auf die Bühne gebracht, darunter auch die Produktionen „Ein Mittsommernachtstraum in einer Box“ im Jahr 2001, „Eine Geschichte von Hareuk“ im Jahr 2002, „Eine süße Geschichte in einem großen Buch“ im Jahr 2003 und „Hamlet Cantabile“ im Jahr 2005. Die „1+1“-Show des Ensembles im Jahr 2011 wurde vom Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus mit dem Ministerpreis ausgezeichnet.

Die Schauspielerin lebt seit letztem Jahr auf der Insel Jeju-do. Sie fasste den Beschluss zum Umzug, nachdem sie eine dort wohnende Freundin besuchte. Sie verliebte sich augenblicklich in die schöne und lebendige Natur der Insel.

Nun setzt sie ihre Expertise und ihre schauspielerischen Fähigkeiten ein, um die Theatergruppe der Heungsan-Grundschule in Seogwipo zu unterrichten.

„Ich versuche nun, das Unterrichten und die Schauspielerei unter einen Hut zu bringen”, sagte die Schauspielerin. „Diesen jungen Träumern meine Schauspieltechniken zu vermitteln ist so interessant, wie auf der Bühne zu stehen.“

Die Schauspielerin Yoon Jin-sung ist seit 1999 in der Theaterszene aktiv (Foto: Jeon Han).
Die Schauspielerin Yoon Jin-sung ist seit 1999 in der Theaterszene aktiv (Foto: Jeon Han).

Korea.net traf sich kürzlich zu einem Gespräch mit Yoon Jin-sung, um mehr über ihre Schauspielerkarriere zu erfahren.

Seit 1999 haben Sie viele unterschiedliche Rollen gespielt. Welche ist Ihr Favorit?

2005 habe ich mich aus dem TUIDA-Theaterensemble zurückgezogen. Unsere Produktion „Hamlet Cantabile“ aus dem Jahr 2005 ist mir am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben, da sie das letzte Stück war, das ich mit der Gruppe gespielt habe.

Drei der Mitglieder einschließlich meiner Person haben abwechselnd alle drei Rollen übernommen: die Hauptfigur Hamlet, König Claudius und Königin Gertrude.

Auch werde ich niemals meine erste Performance mit dem Ensemble vergessen, „Ein Mittsommernachtstraum in einer Box”: Ich erinnere mich, dass wir zu Beginn ohne festen Ort und ohne feste Zeit spielten. Wir traten quasi überall auf.

Wann hatten Sie dieses Gefühl: „Ja, das ist es, was ich tun möchte!”?

Nachdem ich mich aus der Gruppe zurückgezogen hatte, nahm ich mir eine einjährige Auszeit von der Schauspielszene. Es war mir nicht bewusst, wie wichtig die Schauspielerei für mich ist, da meine Tage immer von Hektik geprägt waren. Während meiner Auszeit erkannte ich allerdings, dass mir nichts wichtiger als die Schauspielerei ist und dass ich keine andere Tätigkeit ausüben kann. Natürlich stand ich während des Spielens manchmal unter einem enormen Druck, aber rückblickend war es die Sache wert.

Viele sagen, dass Schauspieler Hunger leiden müssen.

[Das TUIDA-Theaterensemble] verdiente mit seinem ersten Auftritt 30.000 Won, nachdem ein Mann an uns herantrat, der unsere Performance auf der Straße sah. Nach dem Spielen gab er uns drei 10.000-Won-Scheine und sagte, wir sollten uns davon ein paar warme Nudeln kaufen. Es war ein frostiger Tag. Von dem Geld, das er uns gegeben hat, haben wir tatsächlich Nudeln gekauft. Ich erinnere mich noch ganz genau daran. Der Mann hat nicht nur unsere Herzen erwärmt, und die Nudeln auch unsere Mägen.”

Trotz Zeiten des Hungers haben Sie niemals aufgegeben und Ihren Weg weiterverfolgt. Was hat Sie dazu veranlasst?

Glücklicherweise haben sich die meisten Theaterproduktionen, an denen ich mitarbeitete, als Erfolg erwiesen.Wir wurden eingeladen, in vielen unterschiedlichen Ländern wie Japan, China, Thailand, Singapur, den USA, Irland und Hongkong aufzutreten. 2003 brachten wir „Eine süße Geschichte in einem großen Buch” in Pittsburgh, Pennsylvania, auf die Bühne, und 2011 flogen wir nach Indien, um ein anderes Stück aufzuführen, „Kkokdu“. Es ist immer sehr interessant und bereichernd, einem globalen Publikum all mein Können zu zeigen, egal wie kräftezehrend es sein mag.

Gibt es irgendeine Rolle, die Sie unbedingt in Zukunft spielen wollen?

Ich arbeite gegenwärtig an einer neuen Serie von Stücken, die im Oktober in Itaewon gezeigt werden sollen. Nachdem ich mich bislang auf die Bühne konzentriert habe, würde ich nun gern meinen Schwerpunkt auf die Leinwand verlagern. Ich habe bislang bei drei Kurzfilmen und nur einem Spielfilm mitgewirkt. Gern würde ich alle Rollen übernehmen, die mir angeboten werden, so wie eine Berufsanfängerin.

Was bedeutet Ihnen die Schauspielerei?

Ohne die Schauspielerei hätte ich niemals begonnen, mein Leben infrage zu stellen. Durch die Entscheidung für diesen Beruf habe ich mich selbst immer wieder hinterfragt und nach Antworten gesucht.

Die Schauspielerei wirft Fragen auf wie „Wie muss ich leben?” oder „Was sollte ich nun tun?“. Sie hat dafür gesorgt, dass ich mich im Leben weiterentwickelt habe, anstatt zu stagnieren.

Zurück