Zur Beendigung des Besuches von Papst Franziskus in Korea

Bischof Peter Kang U-il
Bischof Peter Kang U-il

Liebe Brüder und Schwestern,

in den vergangenen Tagen haben wir mit Papst Franziskus bewegende Momente, Heiterkeit und Begeisterung erlebt.

Der Papst hat den in Korea versammelten Jugendlichen Asiens zugerufen, dass sie erwachen mögen, obwohl sie vielleicht vor sich hindämmerten. Er sagte auch, dass sie sich nicht hängen lassen, sondern sich erheben sollten, auch wenn die heutige Realität schwierig und verzweifelt und ohne Hoffnung auf Besserung erscheinen mag. Der Papst hat uns aufgefordert, nach großmütigen Werten zu suchen, die es wert sind, dass wir ihnen nachgehen, während wir uns ständig selbst reflektieren. Er warnte uns vor der Verehrung für die Gewinne des Wirtschaftswachstums, des Wohlstands und davor, uns zeitweilig im Komfort der Reichen zu aalen. Er forderte uns auf, Mitgefühl für die Armen, die Migranten und Außenseiter zu entwickeln. As er die 124 Märtyrer als die siegreichen Gesegneten der Welt bezeichnete, forderte er uns auf, uns zu fragen, wofür wir unser Leben opfern würden.

Er, der uns erleuchtet hat, hat uns gezeigt, wozu er sich selbst verpflichtet fühlt. Von morgens bis in die späten Abendstunden hat er seinem alten Körper abverlangt, für diejenigen da zu sein, die ihn am meisten brauchten. Er würde seine Hand stets noch einmal demjenigen reichen, der sich wünschte, sie festzuhalten. Wortlos hat er die Trauernden und Verzweifelten umarmt. Er hat denjenigen zugehört, die ihre Geschichten erzählen wollten, er teilte Liebe und Sympathie, indem er seine Anteilnahme zeigte und über die Wangen behinderter Kinder strich, Kinder, die aufgrund ihrer Behinderung von ihren Eltern und der Welt zurückgelassen wurden.

Er hat uns dazu gebracht, zu realisieren, dass die Bildung von Solidarität mit den Armen mehr ist als nur das Teilen materieller Dinge. Die Akzeptanz der Tatsache, dass sie unsere Brüder und Schwestern sind, die auch im Angesicht Gottes erschaffen wurden, und ihr Aufwertung als jemand, dem der gleiche Respekt und die gleiche Würde als Menschen gebühren, wie sie uns gebührt, ist die oberste Priorität. Papst Franziskus hat in den fünf Tagen und vier Nächten seines Aufenthaltes in Korea nicht aufgehört, seine wahren Überzeugungen und Gefühle über die Welt und die Menschen zu zeigen.

Papst Franziskus ist nicht lange geblieben, aber er hat allen Bedürftigen Wohlbefinden, Mitgefühl und Hoffnung gebracht. Er sagte, dass Frieden nicht nur die Abwesenheit von Krieg bedeute, sondern ein Ergebnis von Gerechtigkeit sei, während er sich sehnlich Frieden auf der koreanischen Halbinsel und in Ostasien wünschte. Wenngleich wirtschaftliche Indikatoren zeigen, dass Korea an dem höchsten Punkt seiner Entwicklungsgeschichte angekommen ist, verursacht der Mangel an Gerechtigkeit viel Traurigkeit für immer mehr Menschen.

In diesem Kontext sollte der Frieden auf der koreanischen Halbinsel mit uns beginnen, die wir einander als großmütige Brüder und Schwestern sehen, die ein Abbild Gottes sind. Wenn Gerechtigkeit wie ein Fluss in uns fließt, kann das Wasser nach Norden und Süden, Osten und Westen fließen, in ein Meer des Friedens. Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft vom Geiste Papst Franziskus lernt, den Konflikt und die Konfrontation innerhalb der gesellschaftlichen Klassen überwindet und vorwärtsgeht, um zu einer Gesellschaft des Mitgefühls und des Respekts zu werden.

Ich fühle mich ausgesprochen schuldig und es tut mir leid, dass unsere geschätzten Mitbürger all diese Unannehmlichkeiten aufgrund der Verkehrsbeschränkungen und der Staus erdulden mussten, die der Papstbesuch verursacht hat. Ich bedanke mich herzlich für die Zusammenarbeit und für die Geduld, die die Menschen nichtsdestotrotz aufgebracht haben. Präsidentin Park Geun-hye und verschiedene Ministerien der Regierung haben uns in materieller und geistiger Hinsicht maßgeblich unterstützt. Ich möchte insbesondere den Freiwilligen und all denjenigen meinen aufrichtigen Dank und meinen Segen aussprechen, die mit ganzen Herzen im Hintergrund gearbeitet haben. Papst Franziskus ist in großer Freude und mit tiefem Dank für den herzlichen Empfang von Seiten der Gläubigen und Nicht-Gläubigen gleichermaßen abgereist, die ihn willkommen geheißen haben. Er wird diese tiefe Anteilnahme nicht vergessen, die den Herzen der Menschen entsprang.

Liebe Brüder und Schwestern,

lassen Sie uns seiner Worte „Erhebt euch, scheint“ gedenken und lassen Sie Gerechtigkeit walten und die Dunkelheit erhellen, die vor uns liegt. Wir erbitten Hilfe von allen Märtyrern dieses Landes, von unseren 103 Heiligen und unseren 124 Gesegneten , und wir erteilen unseren Segen im Namen des Herrn.

 

18. August 2014
Präsident der Katholischen Bischofskonferenz von Korea
Vorbereitungskomitee für den Besuch des Heiligen Vaters
Bischof Peter Kang U-il
 
 

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