Magazin Kultur Korea

Koreanische Klänge mit Berliner Färbung

Konzert am 9. Dezember 2016 im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie

Das Gyeonggi Provincial Traditional Music Orchestra unter dem Dirigat von Choi Sang Wha (Fotos: Koreanisches Kulturzentrum)

Von Song Si-yeon, Kulturressort der Tageszeitung „Gyeonggi Ilbo“

 

Am 9. Dezember 2016 waren im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie koreanische Klänge zu hören.

Bei dem Preisträgerkonzert des 2016 erstmalig durchgeführten Younghi Pagh-Paan International Composition Prize wurden die Werke der beiden prämierten Komponisten aufgeführt – „Giwoo“ von Lee Ye-jin (Erster Preis) und „Bambuswald in der Stadt“ von Alvaro Herran (Förderpreis) – gespielt vom Gyeonggi Provincial Traditional Music Orchestra. Die zahlreich erschienenen Gäste waren erstens vom Niveau der ausgezeichneten Werke und zweitens vom schönen Klang der koreanischen Instrumente fasziniert, der durch das aufmerksame Spiel des Gyeonggi Provincial Traditional Music Orchestra unterstrichen wurde.

Younghi Pagh-Paan, die auch als der „zweite Isang Yun“ bekannt ist, gilt in Europa als eine der führenden zeitgenössischen Komponistinnen. 1978 wurde sie beim 5. Komponistenseminar im Künstlerhaus Boswil, Schweiz, als erste Frau mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Im darauffolgenden Jahr erhielt sie den 1. Preis beim International Rostrum of Composers der UNESCO in Paris. Internationale Berühmtheit erlangte sie durch die Aufführung ihres Orchesterwerkes „Sori“ bei den Donaueschinger Musiktagen 1980. Von 1994 bis 2010 war sie Professorin für Komposition an der Hochschule für Künste Bremen. Heute ist sie Jurymitglied von renommierten internationalen Musikfestivals.

Das Koreanische Kulturzentrum, Kulturabteilung der Botschaft der Republik Korea in Berlin, hat zu Ehren ihrer Kompositionen den Younghi Pagh-Paan International Composition Prize ins Leben gerufen, um das kreative Schaffen junger Komponistinnen und Komponisten zu unterstützen.

Im Rahmen der öffentlichen Ausschreibung, die über einen Zeitraum von sechs Monaten - von April bis Oktober 2016 - lief, bewarben sich Komponistinnen und Komponisten unterschiedlicher Nationalitäten, unter anderem aus Korea, Deutschland, Japan, Malaysia und Kolumbien.

Der erste Preis ging an die koreanische Komponistin Lee Ye-jin für „Giwoo“, ein Konzert für Perkussionsinstrumente, und den Förderpreis erhielt der kolumbianische Komponist Alvaro Herran für „Bambuswald in der Stadt“, ein Konzert für Sanjo-Gayageum und Klarinette.

Das Werk „Giwoo“ ist die klangliche Umsetzung des Anblicks des Himmels vor einem Regenguss. In der Komposition tauchen Rhythmen wie der Heullim-Jangdan und der Puneori-Jangdan aus der schamanistischen Zeremonie Jindo-Ssitgim-Gut sowie der Rhythmus Jinsoe-Jangdan aus der schamanistischen Zeremonie Gyeonggido-Danggut auf und werden variiert. Das Werk erhielt insbesondere für seine rhythmische Gestaltung eine hohe Wertung.

Die Komposition „Bambuswald in der Stadt“ basiert auf der Erzählung „Der König hat Eselsohren“ über König Gyeongmun, die in der historischen Schrift „Samguk Yusa“ aus dem Silla-Reich (57 v.Chr. - 935) enthalten ist. Das Zusammenspiel von Sanjo-Gayageum und Klarinette verleiht dem Werk einen mysteriösen Charakter.

Giwoo“ wurde an diesem Tag durch das sorgfältige Spiel des Gyeonggi Provincial Traditional Music Orchestra unter dem Dirigat von Choi Sang Wha noch größere Bedeutung verliehen. Während der 90-minütigen Aufführung war das Publikum gebannt vom Klang und der mysteriösen Atmosphäre, welche die traditionellen koreanischen Instrumente verbreiteten.

Auf die Präsentation der beiden Preisträgerwerke folgte eine Sonderaufführung des Gyeonggi Provincial Traditional Music Orchestra. Insgesamt wurden sieben Werke gespielt, darunter: Konzert für Volkslieder der Provinz Gyeonggi-do („Langes Arirang, Norae-Garak, Changbu-Taryeong“), Konzert für Wiedervereinigungs-Daegeum „Träumender Clown“ und Konzert für Samul-Nori „Sinmodeum“

Klaus Böger, Präsident des Landessportbunds Berlin (li.), und Kim Sung Tae, Abgeordneter des Parlaments der Republik Korea und Präsident der Son Kee Chung Memorial Foundation, vor der Statue

Neben dem Younghi Pagh-Paan International Composition Prize führt das Koreanische Kulturzentrum in Berlin alle Arten von wichtigen Aktivitäten durch, um einen Einblick in den Alltag der in Deutschland lebenden Koreaner zu geben und über die koreanische Kultur zu informieren.

Am 12. Dezember 2016 wurde in einer bedeutungsvollen Zeremonie die Statue für den koreanischen Marathonläufer Son Kee Chung enthüllt. Son hatte bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin im Marathonlauf einen neuen Rekord von 2:29:19,2 h aufgestellt. Die Statue steht nun an der Marathonstrecke, die Son damals gelaufen ist. Schon lange hatte von Seiten der koreanischen Regierung der Plan bestanden, die Son Kee Chung-Statue, die 2006 von der Son Kee Chung Memorial Foundation in Auftrag gegeben worden war, an der olympischen Stätte in Berlin aufzustellen. Da aber in der Vergangenheit keine Einigung mit der deutschen Seite erzielt werden konnte, war die Statue in der Botschaft der Republik Korea in Berlin verwahrt worden. Im Oktober letzten Jahres kam es schließlich zu einer Übereinkunft. Die Statue wurde an ihrem jetzigen Standort am Horst-Korber-Sportzentrum am Olympiastadion aufgestellt, ein Anlass zum Feiern.

Rede des Botchafters der Republik Korea, S.E. Lee Kyung-soo, bei der Eröffnung der Fotoausstellung "Dank nach 62 Jahren - Deutsche humanitäre Hilfe in Korea"

Im November 2016 erinnerte eine Fotoausstellung im Koreanischen Kulturzentrum an die deutsche medizinische Entwicklungshilfe, die nach dem Koreakrieg (1950-53) von der Regierung der Bundesrepublik Deutschland nach Korea entsandt worden war. Die Fotos dokumentieren den Entscheidungs- und Vorbereitungsprozess der Entsendung sowie die Arbeit des medizinischen Personals im Deutsche-Rote-Kreuz-Krankenhaus in Busan (1954-59). Bei den in Deutschland lebenden Koreanern lösten diese Fotos viele Emotionen aus. 

Nachtansicht des Pavillons der Einheit am Potsdamer Platz

Ebenfalls erwähnenswert ist, dass am 25. November 2015 am Potsdamer Platz in Berlin der „Pavillon der Einheit“ eingeweiht wurde, der für den Wunsch der koreanischen Bevölkerung nach einer Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel steht. Der „Pavillon der Einheit“, der aus Anlass des 25. Jahrestags der deutschen Wiedervereinigung und des 70. Jahrestags der koreanischen Unabhängigkeit errichtet wurde, ist dem Pavillon Sangnyangjeong nachempfunden, der sich an der Halle Nakseonjae auf dem Gelände des Palastes Changdeokgung in Seoul befindet.

Die Errichtung des „Pavillons der Einheit“ dauerte von der Planung bis zur Fertigstellung drei Jahre. Das Projekt stand unter der Federführung des Koreanischen Kulturzentrums in Berlin. Von der Herstellung des Rohbaus aus Kiefernholz bis zur farbigen Verzierung der Innen- und Außenwände (Dancheong) wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen. Das Bauwerk, das eine hohe Symbolkraft besitzt als „Pavillon, der den Wunsch nach der Überwindung der Teilung und Realisierung der Wiedervereinigung (auf der koreanischen Halbinsel) zum Ausdruck bringt“, steht an zentraler Stelle am Potsdamer Platz. 

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