Magazin Kultur Korea

Younghi Pagh-Paan

Eine Wegbereiterin insbesondere für junge Komponistinnen

Preisträgerkonzert des Younghi Pagh-Paan International Composition Prize 2016 (Foto: Koreanisches Kulturzentrum)

Von Jang Ji-yeong, Redakteurin der „Kukmin Ilbo“

Kolumnistin für Aufführungskunst

 

Frauen haben in der Geschichte der klassischen Musik lange ein Schattendasein geführt, vor allem auf dem Gebiet der Komposition. In der Vergangenheit waren Einschränkungen für Frauen im akademischen und gesellschaftlichen Bereich an der Tagesordnung, und auch heute noch haben sie oft unter einem konservativen Umfeld zu leiden.

Dass 1994 an der Hochschule für Künste Bremen die koreanische Komponistin Younghi Pagh-Paan zur Professorin für Komposition berufen wurde, ist ein Novum in der Geschichte der klassischen Musik. Denn es ist das erste Mal im deutschen Kulturraum, dass eine Frau diese Position bekleidet.

Für ihr Werk „Man-Nam“ für Klarinette und Streichtrio wurde sie 1978 als erste weibliche Komponistin beim 5. Komponistenseminar im Künstlerhaus Boswil, Schweiz, mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Ihr Werk „Sori“ für großes Orchester, das sie im Auftrag der Donaueschinger Musiktage 1980 komponierte, erhielt eine sehr positive Resonanz und machte sie in der internationalen Szene für zeitgenössische Musik bekannt. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. An der Hochschule für Künste Bremen gründete sie ein Forschungszentrum für zeitgenössische Musik und förderte junge Komponistinnen und Komponisten. Auf diese Weise wurde sie zur Wegbereiterin insbesondere für junge Komponistinnen.

Obwohl Younghi Pagh-Paan in Deutschland, einem international anerkannten Zentrum der klassischen Musik, lebt und arbeitet, sind in ihren Werken die Bezüge zur koreanischen Musik ganz deutlich. Diese Bezüge erstrecken sich nicht nur auf das Material, sondern auch auf den Inhalt, die Stimmungen und die Form. In zahlreichen Interviews hat die Komponistin enthüllt, dass die Minyo (Volkslieder), Chang (Gesänge), Pansori (Form des epischen Gesangs) und Gutpan (Zeremonien für Exorzismen oder Glück), die sie während ihrer Jugend in ihrer Heimatstadt Cheongju kennenlernte, Spuren in ihrer Musik hinterlassen hätten. Seit ihrem Studium an der Musikhochschule der Seoul National University beschäftigte sie sich mit der koreanischen Musik und scheint sich nur daraus eine musikalische Welt erschaffen zu haben. 

Natürlich teilt sie diese Gemeinsamkeit mit anderen in der Welt der Klassik vielbeachteten asiatischen Komponisten - nicht zuletzt mit Isang Yun, der wie sie aus Korea stammt und in Deutschland wirkte -, die ihre Identität zeigen, indem sie Ost und West, Tradition und Avantgarde auf kreative Weise miteinander verschmelzen. Aber im Fall von Younghi Pagh-Paan tragen von ihren über 70 Werken etwa zwei Drittel einen koreanischen Titel wie etwa „Sori“, „GO-UN-NIM“, „Man-Nam“, „TA-RYONG“ und „NE MA-UM“ und stellen ihre starke Sympathie (für ihre Heimat) unter Beweis.

In ihrem Werk manifestieren sich mehrere Male Veränderungen. Angefangen mit „Sori“, das den Gwangju-Aufstand thematisiert, hat sie in den 1980er Jahren viele Werke komponiert, die ihre Passion für die koreanische Zeitgeschichte widerspiegeln. Seit den 1990er Jahren tauchen bei ihr Werke auf, die von Lebensfragen (mit den Themen Herz, Begegnung und Gemeinschaft) sowie von alten griechischen Mythen inspiriert sind. In den 2000er Jahren begann sie mit der Komposition religiöser Werke, nachdem eine Briefsammlung von Choi Yang-eop, dem zweiten katholischen Priester in der Geschichte Koreas, tiefen Eindruck bei ihr hinterließ

Trotz ihres internationalen Ruhms wurden ihre Werke über einen langen Zeitraum in Korea nicht systematisch vorgestellt. Die größtenteils konservative koreanische Musikwelt schenkte ihnen kaum Beachtung. Erst ab der zweiten Hälfte der 2000er Jahre erlangte ihre Musik in Korea echte Bekanntheit. Es scheint, dass insbesondere durch die Gründung des Younghi Pagh-Paan International Composition Prize im Jahr 2016 das Schaffen der Komponistin neue Aufmerksamkeit erfahren könnte.

Der Youngi Pagh-Paan International Composition Prize - initiiert von der Kulturabteilung der Botschaft der Republik Korea und unterstützt von der Vereinigung koreanischer Komponistensteht Komponistinnen und Komponisten weltweit offen, die unter 40 Jahre alt sind und ein Werk der modernen Musik für koreanische und gegebenenfalls westliche Instrumente komponieren. Laut den Statuten des Wettbewerbs ist es zwar möglich, ein Werk nur für koreanische Instrumente einzureichen, aber nicht eines nur für westliche Instrumente. In dem Wettbewerb spiegelt sich das Bedauern darüber wider, dass chinesische und japanische Instrumente bereits weltweit verbreitet sind, während koreanische Instrumente noch kaum international bekannt sind. 

Im Rahmendes Wettbewerbs wurden im Oktober 2016 das Werk „Giwoo“ für Perkussionsinstrumente der koreanischen Komponistin Lee Ye-jin und das Werk „Bambuswald in der Stadt“ für Sanjo-Gayageum und Klarinette des kolumbianischen Komponisten Alvaro Herran mit dem ersten und zweiten Preis (Förderpreis) ausgezeichnet. Am 9. Dezember 2016 fanden dann schließlich im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie das Preisträgerkonzert des Wettbewerbs sowie eine Aufführung des Gyeonggi Provincial Traditional Music Orchestra statt. Unter dem Dirigat von Choi Sang Wha spielte das Orchester im ersten Teil die Werke der beiden Preisträger sowie „Das Universum atmet, es wächst und schwindet“ von Younghi Pagh-Paan. Im zweiten Teil stellte es verschiedene Werke der traditionellen Musik wie „Träumender Clown“ für Wiedervereinigungs-Daegeum vor. Das Werk „Giwoo“ ist die klangliche Umsetzung des Anblicks des Himmels vor einem Regenguss. Bei dem Konzert für die traditionellen Instrumente Daego (große Trommel) und Jing (Gong) fällt auf, dass dort die Rhythmen der schamanistischen Rituale Jindo Ssitgim-Gut und Gyeonggi Dodang-Gut Anwendung finden. Bei dem Werk „Bambuswald in der Stadt“, das vom koreanischen Online-Forum „Bambuswald“ inspiriert ist, beeindruckt insbesondere der gelungene Einsatz der koreanischen Zither Gayageum.

In die Fußstapfen von Younghi Pagh-Paan, die Zeit ihres Lebens mit ihren Kompositionen eine Pionierrolle gespielt hat, treten nun junge Komponistinnen und Komponisten. 

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